Blutbild und Blutwerte der Katze
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Blutbild und Blutwerte der Katze
Bei den verschiedensten Erkrankungen unserer geliebten Vierbeiner nimmt der Tierarzt Blut ab. Leider werden wir Katzenhalter wenig bis gar nicht darüber aufgeklärt, was die Auswertung des Blutes im Einzelnen ergibt. Meist werden wir lediglich darüber aufgeklärt, dass Werte nicht stimmen oder wenn die Werte normal sind. Ich möchte heute einmal ausführlicher darauf eingehen, was die einzelnen Auswertungen bedeuten, auf welche Krankheiten sie hinweisen können und andere nützliche Informationen vermitteln, damit jeder das Blutbild seiner Katze korrekt lesen kann.
Alle Informationen, die hier zusammengetragen werden, ersetzen in keinem Fall ein fundiertes Gespräch mit dem behandelnden Tierarzt, da sich, wie in jeder wissenschaftlichen Grundlage, Änderungen ergeben können. Auch kann ein Laie aufgrund der Blutwerte nicht auf einen potentiellen Krankheitsverlauf schließen, da oft ein Zusammenhang zwischen erhöhten Blutwerten an dieser und niederer Werte an anderer Stelle besteht, welcher zusammen gesehen ein Krankheitsbild ergibt oder normal für eine gesunde Katze ist. Diese Diagnose sollte dem Arzt vorbehalten sein, da er dazu ausgebildet ist, diese Zusammenhänge in einen Kontext zu stellen und die Katze daraufhin richtig zu behandeln.
Ich übernehme daher keine Garantie auf Vollständigkeit, Aktualität und absolute Richtigkeit, aber ich bestätige, zu diesem wichtigen Thema alle verfügbaren Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen zu haben. Mit dieser Zusammenstellung habt ihr die Möglichkeit, euch über gewisse Grundfragen zu informieren, um dem Tierarzt gezielt Fragen stellen zu können.
Blut
Das Blut ist eine Zusammensetzung aus verschiedenen Typen von Zellen. Es besteht aus Roten Blutkörperchen, welche für den Transport des Sauerstoffs durch den Körper zuständig sind. Die Weißen Blutkörperchen bekämpfen Infektionen und die Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, helfen den Organismus dabei, durch ihre unterstützende Rolle bei der Blutgerinnung auftretende Blutungen zu stoppen.
Tipps zur Blutbild-Erstellung
Es ist meist günstiger, ein komplettes Blutbild von einem externen Labor auswerten zu lassen, als beim Tierarzt selbst. Außerdem ist die Aussagekraft meist höher als die Werte aus der Praxis. Allerdings sollte immer Rücksprache mit dem Tierarzt erfolgen, da die gängigen Referenzwerte meist nicht mit den Referenzwerten der Labore übereinstimmen und dies so zu Verwirrungen sorgen kann. Ob das Blutbild beim Arzt verbleiben soll, ist deine Sache. Allerdings erschwert es manchmal bei Unstimmigkeiten die eigene Recherche oder die Inanspruchnahme von Hilfestellung seitens spezialisierter Katzenexperten.
Arten der Blutbilder
Kleines Blutbild
Es werden bei dieser Variante die Blutzellen, das Hämoglobin (Blutfarbstoff) und der Hämatokritwert untersucht. Blutzellen sind Erythrozyten (oder Retikulozyten), Leukozyten und Thrombozyten.
Differentialblutbild
Leukozyten ist nur ein Überbegriff mehrerer Arten, welche in diesem Verfahren einzeln aufgeschlüsselt werden und die Anzahl bzw. Konzentration beurteilt wird. Zu diesem Verfahren wird ein Farbstoff verwendet, welcher die unterschiedlichen Zellen separat einfärbt. Diese Werte ergeben ein genaueres Bild über Wurmbefall, Allergien, akute Infektionen, bakterielle Infektionen sowie FIP.
Großes Blutbild
Macht der Tierarzt ein großes Blutbild, so ist hiermit lediglich gemeint, dass sowohl ein kleines, als auch ein Differentialblutbild erstellt wird. Es ist ein groß angelegter Check-up, um Erkrankungen festzustellen.
Hier findet ihr eine Liste der Abkürzungen und der dazugehörigen Kurzinformation, welche oft auf dem Blutbild zu finden sind.
Wichtig:
Diese Aufstellung hat keinen Anspruch auf Vollständig- und Richtigkeit - Bezeichnungen sind nach Alphabeth geordnet.
Bitte beachtet den Hinweis "Referenzwerte" im Artikel Blutbild und Blutwerte der Katze
Kurzbezeichnung
Name was ist das
Körperzusammenhang
Referenzwerte
A/G Albumin/Globulin-Quotient Stickstoff des Blutharnstoffs Nieren 16 -36 (erhöht) mg/dl
ALB Albumin Protein fördert Wasserlöslichkeit
ALT / ALAT Alanin-Amino-Transferase Leberenzym Leber bis 45 U/L - L: 12 -130 U/L
AMLY Amylase Verdauungsenzym Bauchspeicheldrüse/Nieren
AP / ALK P(HOS) /ALP Alkalische Phosphatase Leberenzym Leber/Knochen/Nieren 70 U/L - L: 14 -111 U/L
AST / ASAT / GOT Aspartat-Amino-Transferase Enzym Leber/Knochen/Nieren/Herz bis 30 U/L - L: 0 -48 U/L
BUN Blut-Harnstoff-Stickstoff Stickstoff des Blutharnstoffs Leber / Nieren
CHOL Cholesterin Sterol Schilddrüse / Leber /Nieren
CK / CPK Creatinin-Phosphokinase Enzym verschiedene Erkrankungen
CRP C-reaktives Protein Glykoprotein Infektionen
DW Erythrozytenverteilungsbreite
DW / HVB Hämoglobinverteilungsbreite
EOS Eosinophile Erhöhung d. Granulozyten chronische Entzündungen
IBD, Asthma, Allergien, Parasiten, Krebsart
GLDH Glutamat-Dehydrogenase Enzym Leber
GLOB Globulin Protein
GLU Glukose Blutzucker Diabetes 55-120 mg/dl - L: bis 160 mg/dl
GOT / SGOT Glutamat-Oxalazetat-Transaminase Leberenzym Leber / Herz /Skelett
GPT / SGPT Glutamat-Pyruvat-Transaminase Leberenzym Leber / Herz /Skelett
Kurzbezeichnung
Name
was ist das
Körperzusammenhang
Referenzwerte
GRA / Grans Granulozyten bakterielle Infektion 50 und 75%
HCT / PCV Hämatokrit Dickflüssigkeit d. Blutes Anämie / Polyglobulie 24-45 %
Vergiftungen, Austrocknung
HGB / Hb Hämoglobin Farbstoff roter Blutkörperchen Anämie / Gelbsucht 8,0 -15,0 g/dl
Hst Harnstoff Nieren
KREA / Crea Kreatinin Abbauprodukt d. Säure Kreatin Nieren bis 1,6 mg/dl - L: 0,8 -2,4 mg/dl
L/M Lymphozyten/Monozyten Mononukleäre Zellen viraler- /chronischer Infekt Lymph: 20-50% / Mono: 0,1 -4%
LDH Laktatdehydrogenase Herz / Muskel / Leber / Blut
LYM Lymphozyten weiße Blutkörperchen nieder: virale Infektionen hoch: chron. Infekte/Entzünd. Autoimmunerkrankungen
Leukämie (Blutkrebs)
MCH / HbE / HBEB mittlerer Hämoglobingehalt des Erys Sauerstoff/Kohlendioxid-Binder Herz / Lunge / Nieren / Eisen
MCHC / CHCM mittlere Hämoglobinkonzentration des Erys zelluläre Blutbestandteile Eisenmangel 30 -36,9 g/dl
MCV / BMCV mittlere Erythrozytenvolumen Vol. rotes Blutkörperchen Anämie
MN mononukleäre Zellen Lymphozyten und Monozyten
MON Monozyten Abwehrsystem entfernen defekte Zellen
vernichten Bakterien
zeigt Leukämie (Blutkrebs)
MPC mittlere Thrombozytendichte
Referenzwerte
Labore arbeiten nach unterschiedlichen Verfahren und nutzen unterschiedliche Geräte. Daher sind die Normwerte nicht immer gleich. Um einen relevanten Vergleich zu finden, wurden deshalb Referenzwerte erstellt, die den Normwert ersetzen und einen gewissen vorgegebenen Spielraum beinhalten. Der Referenzwert wird im Blutbild gleich nach dem untersuchten Wert aufgelistet, um einen guten Vergleich zu erhalten, doch Referenzwerte dienen lediglich einer ersten Orientierung.
Trotzdem ist es wichtig, die Referenzwerte nicht als 100%ig anzusehen. Es entscheidet, wer die Auswertung übernimmt. Labore haben oft einen eigenen Referenzbereich, welcher nicht mit dem allgemein üblichen Referenzbereich vergleichbar ist. Fragt bitte euren Tierarzt bei Unstimmigkeiten.
Hier findet ihr eine Liste der Abkürzungen und der dazugehörigen Referenzwerte.
Wichtig:
Diese Aufstellung hat keinen Anspruch auf Vollständig- und Richtigkeit - Bezeichnungen sind nach Alphabeth geordnet.
Kurzbezeichnung
Name
was ist das
Körperzusammenhang
Referenzwerte
MPV mittleres Thrombozytenvolumen
NEUT Neutrophile Zellart d. weißen Blutkörperchen bakt. Infektion, Stress durch chronische Krankheit,
Entzündungen
PCT Thrombokrit Thrombozytenmasse 0,1-0,5 %
PDW Thrombozytenverteilungsbreite
PLT Thrombozyten Blutplättchen Blutgerinnung 300.000 - 800.000/ml
PMN polymorphnukleare Zellen
RBC / Erys Erythrozyten rote Blutkörperchen Anämie (CNI-Katzen) 5-10 Mio m/lit Leukose, FIV
RETI / Retics Retikoluzyten kernlose Vorläufer d. Erythrozyten Anämie
TBIL / BILI Bilirubin Gesamt Abbauprodukt Hämoblobin Leber
TP oder GE Gesamteiweiß (total Protein) Proteine im Körper chronische und Infektions- 5,7 -7,8 g/dl oder 5,7 - 9,4 g/dl erkrankungen, FIP - viele weitere Krankheitsbilder
WBC / Leukos Leukozyten gesamt - White Blood Cells weiße Blut- und Lymphzellen Infektionen, Allergien, 5000 -11000/µl
werden mit roten Blutkörperchen Vergiftungen, Nieren L: meist bis 20.000/µl verglichen über 20.000: FIP, Leukämie unter 5.000: Katzenseuche
y-GT / Gamma-GT / GGT Gamma-Glutamyl-Transferase membranständiges Enzym Leber / Galle / Vergiftung
Serologische Untersuchungen
FeLV- Felines Leukämie Virus
fällt das Testergebnis positiv aus, hat sich die Katze mit dem Virus infiziert, welcher zu Tumoren, Immunschwäche und Blutarmut führt. Dieser Virus ist durch Speichel und Sekrete übertragbar.
FIV- Feline Immunschwäche Virus
fällt das Testergebnis positiv aus, hat sich die Katze mit dem Virus infiziert, welcher vergleichbar mit dem HIV Virus des Menschen fas Immunsystem schwächt. Dieser Virus wird meist durch Bisse übertragen.
FIP- Feline Infektiöse Peritonitis
Hohe Werte an Antikörpern bezeichnet meist, dass die Katze FIP-frei ist.
Ein FIP Test kann die Erkrankung jedoch nicht mit Sicherheit erkennbar machen, da er nicht zwischen Coronaviren und FIP-Viren bzw. den gebildeten Antikörpern unterscheidet.
Weiterführende Informationen
Zu den Blutwerten bzw. dem Blutbild von Katzen gibt es Informationen wie Sand am Meer. Viele davon sind für den Laien verwirrend und führen leicht zu Fehleinschätzungen des Krankheitsbildes der felinen Lieblinge. Um eine irreleitende Selbstdiagnose zu vermeiden, sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden, der einen Bluttest anordnet und diesen mit euch besprechen kann. Dieser kleine Exkurs in die Blutdiagnose sollte euch dabei helfen, gewisse Fragen zum Bluttest eurer Katze stellen zu können. Der Tierarzt wird sich hierauf besser darauf einstellen, wie er eine eventuelle Abweichung der Blutwerte von der Norm und deren internen Zusammenhang erklärt. So stellt ihr sicher, dass ihr bei einer Testauswertung nicht nur ein „da stimmt etwas mit der Niere nicht“ oder „alles in Ordnung“ erhaltet, sondern eine genauere Erläuterung zum tatsächlichen Gesundheitszustand des Vierbeiners.
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