Artgerechte tierärztliche Behandlungen – die Katzenpraxis

21.01.2021 10:22
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Profi-Samtpfote

Artgerechte tierärztliche Behandlungen – die Katzenpraxis

Ich hoffe nun nicht ins Fettnäpfchen zu treten.

In der Tierhaltung geht bereits seit einigen Jahrzehnten der Trend weg vom Hund und hin zur Katze. Grund dafür sind die demografischen Veränderungen, da es im Gegensatz zur früher weniger Verheiratete gibt, die sich die zeitaufwändige Hundehaltung teilen können. Auch fließen bei der Tierwahl bereits Überlegungen mit ein, ob die Partnerschaft auf Dauer ist und ob der Hund bei einer Vollzeit-Arbeitsstelle wirklich artgerecht versorgt werden kann. Die hohe Scheidungsrate, nachdem ein Partner die alleinige Verantwortung für ein Tier tragen muss, spricht gegen einen Hund und für die Haltung einer angepassten und selbstständigen Katze.
Diese Veränderungen wurden bereits 1973 in den USA erkannt und eine entsprechende Idee aufgegriffen und durchgeführt – die Kleintierpraxis ausschließlich für Katzen. Durch die steigende Anzahl an Hauskatzen lohnt es sich, eine auf Felis silvestris catus angepasste Praxis zu eröffnen. Mittlerweile ist dieser Trend auch nach Deutschland gekommen, wer bereits das Prinzip einer Katzenpraxis kennt, ist davon begeistert, dass bald auch hierzulande Katzenpraxen eröffnet werden.


Warum steigt die Nachfrage?

Jeder Katzenhalter kennt die Situation, beim Tierarzt seines Vertrauens zu sitzen und rundherum mit lautem Gebell und unangenehmen Gerüchen belästigt zu werden, während er die Katze im Auge behält. Wie muss sie sich wohl fühlen?

Auch ich habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht, wie Katzen mit ihrem extrem guten Hör- und Geruchssinn auf den Odor und die ungewohnte und vor allem laute Geräuschkulisse reagieren. Schön ist es bestimmt nicht, in einer geschlossenen Transportkiste ohne Rückzugsmöglichkeit diesen Überfluss an negativen äußeren Einflüssen ungebremst auf sich einwirken lassen zu müssen. Und dann schaut auch noch hie und da eine große Nase schnüffelnd rein? Ein Horror für jede Katze.
Im Behandlungsraum selbst verstärkt sich das negative Erlebnis nochmals. Neben den Geräuschen aus dem Warteraum stechen Gerüche unterschiedlicher Tiere und chemische Desinfektionsmitteln deftig in der empfindlichen Nase und irritieren den Stubentiger aufs Äußerste. Und dann wird noch untersucht, gehalten und gespritzt. Kein Wunder, dass viele Katzen im Angesicht dieser vielen „Gefahren“ je nach Charakter apathisch, maulig, wehrhaft oder absolut aggressiv werden. Sie können einfach nicht anders.
Oft geht es uns Katzenhaltern aber auch so, dass wir bei einem Tierarzt warten, der uns einfach das Gefühl gibt, dass einem Hund oder einem anderen Lebewesen eine bessere Behandlung als unseren Stubentigern zustünde. So werden oft Zahnbehandlungen bei Hunden angeboten, während einige Tierärzte diese Behandlung bei Katzen weder ansprechen noch das Tier auf einen möglichen Bedarf hin untersuchen. Das ist nur ein Beispiel, Gott sei Dank sind die meisten Tierärzte großartige Allrounder. Doch es gibt eben große Ausnahmen.


Hohes Erfahrungspotential der behandelnden Tierärzte

Wer sich auf ein bestimmtes Themengebiet einlässt, wird bald Meister darin werden. Genauso ist es auch bei Tierärzten, die sich auf eine Spezies konzentrieren und ihre erworbenen Kenntnisse mit den Erfahrungswerten in der Praxis zeitnah vergleichen und kombinieren können. Verfahren bei der Behandlung und der Laborarbeit können so schnell und unkompliziert artspezifisch angepasst und Vergleiche, Neuheiten sowie aktuelle Behandlungsmethoden aus den Unterlagen gezogen werden.
Während allgemeine Praxen sich um jedes Kleinlebewesen kümmern, ist bei Katzenpraxen der geliebte Stubentiger im Mittelpunkt und die
Erfahrung in der Diagnostik und Therapie steigt mit jedem Patienten. Bei einem „normalen“ Tierarzt muss dieser auf unterschiedliche Spezies fachgerecht reagieren, doch bei den vielen, oft sehr exotischen Tierarten, die heutzutage selbst von bodenständigen Tierliebhabern gehalten werden, fehlt beim besten Willen manchmal die Kenntnis. Auch Tierärzte sind keine Götter, Fehler können passieren. Doch fatal wird es, wenn die eigene Samtpfote die Leidtragende ist.
Vor allem aber bestechen bei einer reinen Katzenpraxis die fachliche Kompetenz und das Know-how. Das spezialisierte Wissen über die Physis und die Psyche der Katze bleibt erhalten und erweitert sich mit jedem behandelten Patienten. Es bleibt vor allem daher erhalten, da keine andere Tierart mit einem seiner Art entsprechendem Krankheitsbild dazwischen behandelt wird, was neu erworbene Kenntnisse schnell ins Aus rücken können. Neue Behandlungsmethoden, speziell auf Katzen ausgelegt, können gefördert und gezielt angewandt werden.


Wer ist Kunde einer reinen Katzenpraxis?

Alle Katzenhalter, so möchte man denken, doch weit gefehlt. Katzenliebhaber, die sich aufopferungsvoll um ihre vierbeinigen Mitbewohner kümmern und ihnen eine besonders gute und vor allem entspannte Behandlung zukommen lassen wollen, sind hellauf begeistert von den reinen Katzenpraxen. Dies resultiert daraus, dass sie sofort sehen, dass ihre Katze, genau so, wie es zuhause Usus ist, im Mittelpunkt steht. Halter, die nur notgedrungen mit dem Tier zum Tierarzt gehen, weil es halt sein muss, sich aber emotional nicht an das Tier gebunden haben und denen der Ausgang einer Behandlung egal ist, schrecken oft vor so viel Katzenliebe zurück und verlassen verschämt die Praxis, um sich einen Tierarzt zu suchen, der die Katze nicht als Individuum, sondern als einen von vielen Patienten sieht. So wird auch der Halter seine Katze sehen.


Emotionale Dauerbereitschaft

Nimmt sich ein Ärzteteam vor, eine spezielle Tierart zu behandeln, dann wird er dieses Vorhaben auch mit aller Konsequenz durchziehen. In auf Katzen spezialisierten Einrichtungen finden Schnurri und Purri aber viel mehr vor als die üblichen Behandlungsstandards. Klar, jeder Mitarbeiter einer Tierpraxis ist überaus tierlieb und unterscheidet nicht zwischen der einen oder anderen Art. Der gesunde Menschenverstand sagt einem aber, dass Menschen dazu tendieren, gewisse Vorlieben zu präferieren, denn das liegt uns im Blut.

In einer Katzenpraxis sind jedoch nur Mitarbeiter angestellt, die eine besondere Affinität zu Katzen verspüren. Was sagt uns der gesunde Menschenverstand aufgrund dieser Information? Na klar, dieser Mitarbeiter ist genau richtig in einer Katzenpraxis, sowohl für Mensch als auch für Katze. Er versteht die Ängste und Zweifel des Frau- oder Herrchens, kann sich gut in individuelle Situationen einfühlen und vor allem ist in dem Konzept der felinen Tierarztpraxis eine erhöhte Kommunikation mit den Katzenhaltern sowie ein daraus resultierender großer Beratungs- und Zeitaufwand vorgesehen. Hier werden Halter und Patient gleichermaßen behandelt, es entstehen auch übergreifende emotionale Bindungen, da der behandelnde Arzt oder die Helfer sich mit ihrem ganzen Herzblut den Katzen widmen, genauso, wie es der Halter selbst macht. Denn eines ist sicher: Katzenmenschen werden jede Katze, egal, wem sie gehört, so behandeln, als wäre sie ihre eigene. Und das ist genau das, was Herrchen oder Frauchen spüren, sehen und worauf sie ihre Hoffnungen setzen können.

Die Einrichtung

Der Vielarten-Tierarzt muss seine Einrichtung auf unterschiedliche Tiere und daher besonders zweckmäßig einrichten, auch die Behandlungen finden meist unter gleichbleibenden, recht kargen und kalten Bedingungen statt. Im Hintergrund benötigt er Zwinger und Käfige zur Verwahrung kranker Patienten.
Eine Katzenpraxis, die auf Katzen ausgerichtet ist, kann auf die meisten dieser Sachen gut verzichten. Das Equipment hält sich in Grenzen, da es bei Katzen keine allzu gravierenden Unterschiede in der Größe oder Beschaffenheit gibt. In den Warte- und Behandlungsräumen wird besonders darauf geachtet, dass sich die Katze nicht bei ihrem Rundgang in einen dunklen Winkel verkriechen kann, sondern immer greifbar bleibt. Im Wartebereich wird auch auf die Innengestaltung mehr Wert gelegt, um den zwei- und vierbeinigen Patienten eine angenehme Atmosphäre zu bieten. Dies ist bei reinen Katzenpraxen möglich, da hier keine großen Hunde sind, die alles besabbern, die Praxis mit nassen und/oder dreckigen Pfoten betreten, Tische abräumen/umschmeißen oder sich vor Aufregung oder Angst auf den Boden entleeren.


Katzenpraxen können gut und gerne mit Teppich ausgelegt werden und von der Einrichtung her einen individuellen Stil erhalten. Und das Tollste: die Katze darf, nein, sie sollte darauf herumlaufen, das Umfeld genau inspizieren und die Lage peilen, denn nur so erhält sie nach dem Transport die innere Ruhe wieder und fühlt sich als Herrin der Lage. Aussichtspunkte und Liegeplätze sowie Spielzeug laden während der Wartezeit zu einem Spielabenteuer ein, während für schüchterne und unsichere Vertreter dieser Art zahlreiche Rückzugsorte in Form von Verstecken vorhanden sind, die aber für uns Menschen leicht erreichbar sind, wenn das Tier ins Behandlungszimmer kommt.
Es stellt sich nun die Frage, ob Katzen hier beim Herumlaufen nicht auch einiges kaputt machen können. Antwort: Und wenn schon! Dieses Wartezimmer ist von Katzenfans speziell für Katzen gemacht, und auch Katzenhalter werden kaum etwas dagegen haben, in einer ruhigen, geruchsneutralen und vor allem gemütlichen Umgebung auf die Behandlung ihres Lieblings zu warten.
Äußerst bemerkenswert ist auch, dass sich jeder Stubentiger durch die Ruhe in der Praxis und den Einsatz von Pheromonen als Stress minderer sehr schnell entspannt und den Tierarztbesuch in seiner Gesamtheit nicht als Folter, sondern als schönes kleines Abenteuer sehen kann. So ganz ohne Stress geht es eben auch, und das kleine Fellmonster wird sich beim nächsten Tierarztbesuch sicher schon etwas weniger sträuben.

Derzeit ist es in den Praxen durch die nötige Termin-Vergabe ruhig. Die Zeiten werden sich wieder ändern und alle wieder vereint im Wartezimmer sitzen.

Wer war schon einmal in einer reinen "Katzenpraxis" und könnte darüber berichten?

Gruß
Christiane

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