Katz´ und Hund im Taxi transportieren?

14.01.2023 14:33 (zuletzt bearbeitet: 14.01.2023 14:55)
#1
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Profi-Samtpfote

Katz´ und Hund im Taxi transportieren?


Ui, ein heikles Thema. Und doch ein Thema, das fast jeden Tierbesitzer früher oder später selbst betrifft. Fast jeder Hunde- oder Katzenhalter stand bereits einmal vor dem Problem, dass aus irgendwelchen Gründen kein Fahrzeug verfügbar war, aber ein dringender Tierarztbesuch anstand.
Was also tun? Nachbarn, Freunde und Verwandte arbeiten meist tagsüber und können daher nicht als Fahrer einspringen, wenn es nicht schon lange im Voraus geplant wird.

Jetzt stellt sich die Frage: Bus oder Taxi? Busfahren ginge eigentlich, wenn nicht der Katzenkorb so schwer wäre oder der Hund enge Gruppen fremder Menschen nicht gewohnt ist. Somit bleibt in den meisten Fällen nur das Taxi, das es dem Tierhalter erleichtert, schnell und unkompliziert von A nach B zu kommen. Doch wie sieht es aus mit den Taxifahrten in Deutschland?


Die Taxenordnung ist klar

Taxenordnungen gibt es in jedem Bundesland. Und jede ist anders.
Zuschläge dürfen nicht erhoben werden (Bitte Korrektur, sofern dies nicht zutrifft)
Hunde und Kleintiere dürfen mitbefördert werden, wenn dadurch die Betriebssicherheit im Taxi nicht gefährdet wird.
Blindenhunde sind stets zu befördern; Gepäck, Kinderwagen und Rollstühle sind zu befördern, soweit dies nach der Größe des Gepäckraumes möglich ist.

Aber in anderen Ordnungen sind die Sachverhalte nicht so klar geregelt. Entweder findet man gar keinen Zusatz, oder eine Mitnahme von Tieren ist den Fahrern freigestellt. Wie auch immer, für den Kunden ist das im Grunde komplett irrelevant.

Warum?
Da das Bundesrecht über der städtischen Verordnung steht, gilt folgende Bestimmung für alle Fuhrunternehmen: Die Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr, kurz BOKraft genannt. Wer sich hier den § 15 ansieht, der erkennt schnell, dass Tiere als „Sache“ betrachtet werden, welche zu befördern ist. Bei Katzen ist dies leicht zu bewerkstelligen, denn ein Katzentransportkorb ist nicht mehr als ein Gepäckstück, das der Fahrer ebenfalls mitnehmen muss. Einzig gilt bei dieser Vorschrift immer die Prämisse, dass das Tier gesichert ist, dass es keine Unannehmlichkeiten für andere Fahrgäste verursacht und ungefährlich für den Transportbetrieb ist.
Kurz gesagt: Der Taxifahrer ist per Gesetz verpflichtet, Katzen und Hunde zu befördern, sofern das Tier ordentlich gesichert ist. Hund im Fußraum, Katze im Korb, gegebenenfalls auch kleinere Hunde in Korb oder Tasche, und die Sache ist geritzt. Schön wär's.

Die Realität sieht anders aus

Es ist überraschend, wie viele Taxifahrer unter einer spontanen Tierallergie leiden. Oder wie viele sich plötzlich Gedanken um die potenzielle Allergiegefahr ihrer späteren Kundschaft machen, obwohl sie jederzeit gerne dazu bereit sind, stark alkoholisierte und teilweise nicht mehr frisch duftende Menschen zu befördern, welche im Minutentakt dazu tendieren, sich das Abendessen nochmals durch den Kopf gehen zu lassen.
Das Schlimmste daran, diese Fahrerwillkür erstreckt sich nicht nur auf Personen, die einfach ein Haustier mit sich führen, weil sie einen Tierarztbesuch vor sich haben oder einfach gerne mit dem Hund in die Stadt möchten. Es geht sogar so weit, dass Taxifahrer sehbehinderten Menschen eine Mitfahrt verweigern, da diese einen Blindenhund mitführen, ohne welchen sie nicht in der Lage wären, das Leben außerhalb ihrer Wohnung zu meistern. Oder Katzen, die dringend einen Tierarzt benötigen und der Tierrettungsdienst nicht erreichbar ist. Die Begründungen sind recht einfach – und meist auch einfach lächerlich. Moslems beharren darauf, dass sie aus religiösen Gründen keinen Hund einsteigen lassen können, da Hunde in ihrer Religion als schmutzig eingestuft sind. Ein großer Prozentsatz der anderen Fahrer verweist auf die Themen „Allergie“ oder „Sorge“ um spätere Kundschaft. Eines haben diese Fahrer gemeinsam: sie haben anscheinend keine Ahnung, dass sie eine Ordnungswidrigkeit begehen. Werden sie von einem Tierbesitzer angezeigt, kann sie das ein Bußgeld von bis zu 500 Euro kosten. Allerdings ziehen sich die Fahrer in solchen Fällen meist elegant mit einer fingierten Allergiebescheinigung ihres Arztes aus der Affäre.

Die Allergie-Geschichte

Es gibt sicher einige Taxifahrer, die wirklich eine Tierallergie haben. Allerdings ist der durchschnittliche Prozentsatz im Vergleich von Allergikern zu anderen Berufsgruppen so hoch, dass die Wahrscheinlichkeit einer derartigen Erkrankung oft zu bezweifeln ist. Ein wahrer Allergiker kann jedoch trotz seiner Krankheit freundlich und höflich gegenüber Tierhaltern bleiben, viele Fahrer „übersehen“ diese jedoch einfach, lehnen patzig ab, bevorzugen später angekommene Kunden oder fahren einfach weg.
Es sollten aber auch Tierhalter immer daran denken, dass Taxifahrer nicht vor Ängsten gefeit sind, diese jedoch nicht nach außen kommunizieren wollen. Vermutlich sind diese Fahrer dann unter den „Allergikern“ zu finden, was zumindest einen Teil der hohen Zahlen erklären mag.

Sorge um den nächsten Kunden

Die meisten Menschen leiden unter einer Katzenallergie, dh. an einer Unverträglichkeit gegen gewisse Enzyme im Speichel. Eine Hundeallergie kommt zwar auch vor, ist jedoch im Vergleich weniger häufig als eine Katzenallergie. Die Allergene sind wesentlich schwerer als die Katzenallergene, trotzdem können sie in Autositzen haften bleiben. Allerdings kann dies bereits der Fall sein, wenn Tierbesitzer ohne ihre Hunde das Auto besteigen. Darauf hat ein Fahrer keinen Einfluss. Eine Katzenallergie kann durch die leichteren Allergene schneller auftreten. Da die transportierten Katzen jedoch immer in einer Box, in der sie nicht großartig herumturnen und Haare lassen können, stecken, ist diese Gefahr sehr gering. Besonders deshalb, weil Taxifahrten auf kurze Zeiträume beschränkt sind und keine große oder lang andauernde Reizung stattfindet.

Was sollten Tierbesitzer unterlassen?

Jedem Tierbesitzer ist klar, dass gewisse Regeln eingehalten werden müssen. So soll und muss eine Katze in der Transportbox sitzen, da die Reaktion auf das Fahren, Hupen oder Ähnlichem nicht voraussehbar sind.

Ein Sprung ins Gesicht des Taxifahrers und die Fahrt ist schneller zu Ende als gedacht.

Auch bei Hunden ist es logisch, dass dieser sich nicht auf einem Sitz, sondern im Fußraum aufhalten sollte, aus ebendiesen Gründen und damit er bei einer Vollbremsung kein für alle Insassen tödliches Geschoss wird. Auch völlig verdreckte, stinkende, nicht stubenreine oder sogar bissige Tiere würden verantwortungsbewusste Halter nie in ein Taxi einsteigen lassen. Wir Tierliebhaber wissen selbst genau, wie anstrengend die Putzarbeiten danach sind.

Wie bestelle ich mein Taxi richtig?

Um große Probleme zu vermeiden, sollte bei einer Taxibestellung klar angegeben werden, dass sich auch ein Tier mit auf die Reise begibt. So schließt man schon im vorn hinein eine ungeplante Absage am Abholpunkt aus.

Kann jemand aus eigener Erfahrung berichten? Gerne auch aus der Sicht eines mit einer Katzenallergie behafteten potenziellen Fahrgastes?
Oder gibt es bereits in großem Umfang Tiertaxen?

Bitte "Copyright" beachten

Gruß
Christiane

Alles, was auf dem Boden liegt, ist Katzenspielzeug. Und alles, was noch nicht unten liegt.

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14.01.2023 14:56
#2
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Profi-Samtpfote

Zitat
Es ist überraschend, wie viele Taxifahrer unter einer spontanen Tierallergie leiden. Oder wie viele sich plötzlich Gedanken um die potenzielle Allergiegefahr ihrer späteren Kundschaft machen, obwohl sie jederzeit gerne dazu bereit sind, stark alkoholisierte und teilweise nicht mehr frisch duftende Menschen zu befördern, welche im Minutentakt dazu tendieren, sich das Abendessen nochmals durch den Kopf gehen zu lassen.



Den Teil finde ich ziemlich unfair Taxifahrern gegenüber. "Gerne dazu bereit" war noch keiner, den ich kennengelernt habe (und das waren in meiner Gastronomiezeit viele). Aber Taxifahrer haben eine Mitnahmepflicht und dürfen auch jemanden, der sich schon in die Hose gepinkelt hat, nicht einfach stehenlassen.

Ich habe noch nie Probleme gehabt, wenn ich mir ein Taxi bestellt habe und am Telefon gleich dazugesagt habe, dass ich Katz oder Hund mitnehme.

Liebe Grüße von Anke mit

Mr Spock, Herrn Lars Nilsson, Emil Tischbein und der wunderbaren Matika O'Hara.
♡ Lilith für immer im Herzen ♡

Sternen-Patentante von Schwarznase Fiona, Tigertanga Tosca und dem unglaublichen Pepe.
*****

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14.01.2023 15:09
#3
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Profi-Samtpfote

Mir war durchaus bewusst, dass dieser Text etwas heikel ist. Wobei ich keinem Taxifahrer zu nahe treten wollte.
Du kannst das gerne löschen und gut ist.
An etwaige Unternehmen: Es war keinesfalls als Hetze oder böswillige Unterstellung gedacht.

Gruß
Christiane

Alles, was auf dem Boden liegt, ist Katzenspielzeug. Und alles, was noch nicht unten liegt.

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14.01.2023 19:59
#4
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Profi-Samtpfote

Wie gesagt, ich finde nur diesen Satz unfair. Kein Grund, irgendwas zu löschen. 😉

Liebe Grüße von Anke mit

Mr Spock, Herrn Lars Nilsson, Emil Tischbein und der wunderbaren Matika O'Hara.
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