Mobbing unter Katzen

16.08.2022 16:50 (zuletzt bearbeitet: 10.01.2023 14:28)
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Profi-Samtpfote

Ja, auch Katzen können Mobbingopfer oder -täter sein, wer´s glaubt oder nicht. Das ist gar nicht so ungewöhnlich, denn wer im Rang höher steht und von Natur aus dominant ist, kann schon schnell einmal eine Katze, die etwas sensibler ist, tyrannisieren.

Streitereien bis hin zu Balgereien sind beim Zusammenleben zweier oder mehrerer Katzen keine Seltenheit, aber jeder Katzenbesitzer sollte diese Rangeleien im Blick behalten. Was oft nur als harmloses Spiel oder Streiterei anfängt, kann schnell in Mobbing übergehen.
Mobbing ist, wie bei uns Menschen auch, meist eine Reaktion auf das Umfeld und den jeweiligen Charakter der Katze. Langweilt sich ein dominantes Tier, weil es zu wenig Abwechslung hat, sucht er sich diese selbst. Und was bietet sich besser an als ein Artgenosse, der sich wenig oder gar nicht wehrt? Auch Eifersucht spielt eine große Rolle, daher sollte jeder Katzenhalter die Streicheleinheiten und Leckerlies gerecht verteilen. Haben Katzen in der Wohnung zu wenig Platz oder werden zu wenige „gute“ Plätzchen angeboten, kann schon das der Auslöser für Mobbing sein. Natürlich spielt der Charakter auch eine herausragende Rolle bei Mobbing. Dominanz wird häufig bei Katern beobachtet, während Katzen meist etwas unterwürfiger sind.
Trumpft nun eine Katze auf, wird sie schnell in ihre Schranken verwiesen, um die Rangordnung aufrechtzuerhalten, was ein normaler Prozess ist. Doch ist der aufmüpfige Artgenosse nun zu dominant für das herrschende Katertier, kann dieser sich dazu gezwungen sehen, durch Mobbing ein und derselben Katze den Rang zu verteidigen.

Mobbing durchschauen
Es ist nicht immer leicht, normales Spiel- und Streitverhalten und Mobbing zu unterscheiden. Wer seine felinen Mitbewohner häufig bei derartigen Aktivitäten beobachtet und gewisse Kenntnisse der Katzensprache mitbringt, hat gute Chancen, Mobbing frühzeitig zu erkennen und einzuschreiten.
Streiten zwei Katzen, zieht sich die Unterlegene zurück, faucht und knurrt verhalten. Damit zeigt sie an, dass sie die Dominanz ihres Gegenübers akzeptiert. Beim normalen Streit wird sich der dominante Part etwas Zeit lassen und sich mit starrem Blick seines Sieges vergewissern, bevor er hoch erhobenen Schwanzes den Schauplatz des Geschehens verlässt.
Ganz anders verhält es sich bei Mobbing. Die sich zurückziehende Katze wird weiter in die Enge getrieben und so lange attackiert, bis sie absolut gestresst und verzweifelt ist. Auch das Erleichtern an unerwünschten Stellen, ein extremer Putzfimmel oder Gewichtsverlust weisen darauf hin, dass Mobbing im Spiel ist. Hier kann es sein, dass der dominante Part die unterlegene Katze vom Fressen abhält oder den Weg zur Toilette versperrt. Alles in allem erhält man so einen Bezwinger, der rundum zufrieden ist mit sich und der Welt, und ein kleines, verhuschtes Mäuschen, das extrem gestresst und ängstlich ist.

Was tun gegen Mobbing?
Wie überall im zwischentierischen Bereich kommt es darauf an, schnell und konsequent zu handeln. Oft hilft eine Kastration des dominanten Tieres, dessen Aggressionsverhalten zu verringern. Mobbing muss aber unter allen Umständen durch aktives Eingreifen verhindert werden, um dem Täter zu zeigen, dass das in dieser Wohnung nicht gestattet ist. Dabei sollte auf keinen Fall mit physischen Strafen gearbeitet werden, psychische sind jedoch gestattet. Wer Anstarren, Verfolgen oder Abpassen beobachtet, kann gleich eingreifen. Manchmal nützt es schon, den Angreifer vor seiner Attacke in einen benachbarten Raum zu sperren, um ihm zu zeigen, dass Mobbing vom Dosenöffner nicht akzeptiert wird. Schön ist es für Halter und Tier, wenn die Aggression direkt beim Beginn einer Mobbingattacke gestoppt und durch Spielen verpufft. Bei vielen Katzen funktioniert dies, in Kombination mit Leckerchen bei positivem Verhalten, recht gut.

Die zweitrangige Katze hingegen sollte mit Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit überschüttet werden. Dies hat zweierlei Vorteile: das dominante Tier wagt sich nicht heran und hält sich mit Attacken zurück, während das Selbstvertrauen des unterlegenen Kätzchens durch die stetigen Zuwendungen wieder wächst und es merkt, dass beim Dosenöffner Sicherheit herrscht. Spielen während der Abwesenheit des dominanten Tieres eröffnet ihr wieder ganz neue Dimensionen der Freude und sie wird sich langsam, aber sicher, vom Mobbing erholen.

Um einen langhaltigen Erfolg zu erzielen, muss natürlich konsequent mit beiden Tieren gearbeitet werden, eine einseitige Erziehungsmaßnahme nützt nicht viel. Es ist auch von Vorteil, die Katzenklos sowie die Futterstellen separat zu platzieren und viele schöne Plätzchen zu schaffen, um genügend Rückzugsmöglichkeit und Privatsphäre zu schaffen.

Und wenn nichts hilft?
Selbstverständlich ist eine Trennung zweier Katzen immer die letzte Instanz, wenn gar nichts mehr hilft. Zwei Katzen, die nicht in Harmonie miteinander leben können, zu behalten, grenzt an Tierquälerei. In diesem Fall sollte eine der Katzen, wenn auch sicher schweren Herzens, abgegeben werden, um beiden ein schönes und sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Die Entscheidung ist hart, welche gehen soll, aber jeder verantwortungsvolle Tierhalter kann sicher selbst sehr gut definieren, welche Katze in einem anderen Heim besser aufgehoben ist, welche gute Chancen hat, überhaupt ein neues Heim zu finden oder sich am besten eingliedern kann.

Bitte Copyright beachten

Gruß
Christiane

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