Kortison/Cortison - Teufelszeug oder Segen?

03.08.2022 13:23 (zuletzt bearbeitet: 10.01.2023 14:42)
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Profi-Samtpfote

Da die meisten Katzenbesitzer im Laufe eines Katzenlebens mindestens einmal Bekanntschaft mit Cortison machen müssen, jedoch über die wahre Wirkung und Nebenwirkungen dieses Präparates oft im Unklaren gelassen werden, möchten wir uns hier ausführlich damit auseinandersetzen.

Ist Cortison ein Teufelszeug oder darf es in der modernen Human- und Tiermedizin auf keinen Fall fehlen?
Wie denkt ihr darüber?

Was ist Cortison?
Cortison ist der Oberbegriff für Hormone, die bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der menschlichen Nebennierenrinde entdeckt wurden. Es ist eine Vorstufe von Cortisol, einem Hormon, das in allen Körpern von Säugetieren gebildet wird und maßgeblich für die Steuerung wichtiger Funktionen wie zum Beispiel den Fettstoffwechsel, Proteinumsatz und Kohlenhydrathaushalt zuständig und somit für den Organismus lebenswichtig ist. Cortison reguliert und kontrolliert bestimmte Eiweiße im Blut, den Blutzuckerspiegel, Nierenfunktionen und die Produktion von Magensaft, aber auch den Blutdruck und die Intensität des Pulses. Allergien, Juckreiz und Entzündungen können gut mit Cortison behandelt werden.

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Der Einsatz von Cortison in der Tiermedizin

Körpereigenes Cortison kann oft nicht in der Menge hergestellt werden, wie es zur Bekämpfung einer Krankheit notwendig wäre. Ist dies der Fall, wird Cortison künstlich hergestellt und dem Tier zur Unterstützung des körpereigenen Cortisons verabreicht. Da Cortison stark entzündungshemmend wirkt, wird es auch primär bei Allergien und Entzündungen eingesetzt, die sowohl auf der Haut als auch in Gelenken oder Organen auftreten können, aber auch bei akuten Schockzuständen.

Ausschleichen von Cortison

Wer schon mit Cortisonbehandlungen seiner Katze zu tun hatte, wird sich vielleicht gewundert haben, warum Cortison am Ende einer Kurzzeitbehandlung nur noch alle 2 Tage und meist auch in verminderter Menge verabreicht werden soll. Künstlich hergestelltes Cortison soll die Heilung des Organismus beschleunigen und unterstützen, bei zu langer Gabe wird jedoch dem Körper des Patienten suggeriert, dass genug Cortison vorhanden ist und dieser wird daraufhin die eigene Produktion verringern oder sogar einstellen. Die Nebennierenrinde „verlernt“ sozusagen, Cortison herzustellen. Um dies zu verhindern, wird Menge und Intervall der Cortisongabe langsam verringert, um die eigene Produktion des Hormones wieder auf ein normales Level anzuheben.

Arten von Cortison

Ultra-Kurzzeit-Cortison
Dieses Cortison wird vorwiegend nach Unfällen als Schocktherapie intravenös verabreicht. Es beginnt umgehend zu wirken, wird aber sehr schnell, meist innerhalb von 8 Stunden, wieder abgebaut.

Kurzzeit-Cortison (moderne Behandlungsform)
Um den geschwächten Körper einer Katze nicht zusätzlich zu belasten, wird zur Behandlung von Entzündungen und Allergien meist Kurzzeit-Cortison genutzt, da dieses seine Wirkung schnell entfaltet, aber auch schnell wieder vom Katzenkörper abgebaut wird. Diese Behandlungsform ist die in der heutigen Praxis gängige, da heute mehr über die Nebenwirkungen von Cortison bekannt ist und eine Langzeitbehandlung schwerwiegende Probleme verursachen kann. Es gibt allerdings auch ein mittelfristig wirksames Cortison, welches eine Behandlung bis zu 10 Tagen abdeckt.

Langzeit-Cortison (ehemals gängige Behandlungsform)

Vor dem erwachten Gesundheitsbewusstsein der Katzenbesitzer und die gesteigerte Information über Cortison war es üblich, Cortison in geballter Form zu spritzen. Im Gegensatz zum heutigen Kurzzeit-Cortison war die Wirkungsdauer auf bis zu 3 Monate getimt. Während dieser langen Zeitspanne wird die Nebennierenrinde nicht zur Produktion genutzt, sie stellt somit die Produktion von körpereigenem Cortison komplett ein. Trotzdem die Tiere in der Wirkungszeit keinerlei Krankheitssymptome mehr zeigen, treten diese nach einigen Wochen wieder voll zutage, und der Körper hat keinerlei Möglichkeit mehr, ihnen durch körpereigenes Cortison entgegenzutreten.
Wer schon einmal vom Cushing Syndrom gehört hat, der weiß, wie schwerwiegend eine Unterfunktion der Nebennnierenrinde oder sogar das totale Versagen derselben ist. Die Katze muss ihr Leben lang therapiert werden, wird nie wieder richtig gesund und der Geldbeutel des Katzenhalters dabei immer schmaler.

Langzeit/Dauer-Therapie

Im Gegensatz zur Gabe von Langzeit-Cortison werden bei einer Langzeit- bzw. Dauer-Therapie mit Kurzzeit-Cortison die Verabreichungsmenge und die -intervalle so angepasst, dass während eines längeren Behandlungszeitraumes die Nebennierenrinde immer wieder dazu angeregt wird, körpereigenes Cortison zu produzieren, um einer Schädigung der Nieren oder der Leber entgegenzuwirken.

Nebenwirkungen von Cortison

Wie bereits beschrieben, hat extern zugeführtes Cortison die Tendenz, die Eigenproduktion von Cortison und sogar das Versagen oder die Unterfunktion der Nebennierenrinde negativ zu beeinflussen, dies allerdings vorwiegend unter der Prämisse des Langzeiteinsatzes. Hier ist auch zu beobachten, dass Fett und Wasser vermehrt eingelagert wird und Erweichungen der Knochenstruktur stattfinden können. Auch wird durch eine Dauerbehandlung die Immunabwehr der Katze geschwächt, was das Tier anfälliger für weitere Erkrankungen oder Infektionen macht.

Da Cortison jedoch auch direkten Einfluss auf die Nieren und den gesamten Wasserhaushalt der Katze haben, wird während der Behandlung schnell sichtbar, dass die Katze mehr Wasser aufnimmt als normal. Dieses gesteigerte Bedürfnis muss der Katzenhalter immer vor Augen haben, denn es muss immer genügend Wasser zur Verfügung stehen.
Die bekannteste Nebenwirkung ist aber die Gewichtszunahme des felinen Patienten. Die Katze wird während der Behandlungsphase immer mehr Hunger haben als normalerweise, was vielen Besitzern nicht bekannt ist oder viele einfach nicht wahrhaben wollen. Mit Cortison behandelte Katzen tendieren dazu, in kurzer Zeit Gewicht zuzulegen, da Katzenliebhaber ihre Tiere nicht „hungern“ sehen wollen und ihnen oft zusätzliche Portionen geben. Das ist falsch!!
Sofern die Katze nicht an Untergewicht leidet und sowieso zunehmen muss, sollten während der Cortisongabe keine zusätzlichen Rationen verfüttert werden, auch wenn das Maunzen noch so jämmerlich ist. Keine Sorge, ist die Therapie mit Cortison beendet, wird auch das gesteigerte Verlangen nach Futter und Wasser nachlassen und sich normalisieren. Bis dahin heißt es: durchbeißen und hart bleiben, außer man möchte sich monatelang mit einer Diät herumschlagen.

Zusammenfassung aller möglichen Nebenwirkungen (bei Langzeitbehandlungen):
Muskelschwund und/oder –schwäche
Osteoporose und Hautabnormitäten
Veränderungen des Blutbilds
Immunschwäche
Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen
Diabetes

Wechselwirkungen: Cortison und andere Erkrankungen

Diabetes
Ist der feline Patient Diabetiker, muss dies vor einer Cortisongabe unbedingt dem Tierarzt mitzuteilen, sofern er über diese Erkrankung nicht schon von vornherein Kenntnis hat. Cortison reguliert, wie bereits erwähnt, auch den Zuckerhaushalt, eine Gabe von zusätzlichem Cortison kann hier gravierende Veränderungen des Zuckerstoffwechsels bewirken und sich somit negativ auf die Erkrankung und den gesamten Körper auswirken.

Niereninsuffizienz

Leider ist es immer noch Usus bei manchen Tierärzten, Katzen mit akuter Niereninsuffizient Cortison zu verabreichen. Grund dafür ist, dass eine Katze mit diesem Erkrankungsbild wenig bis gar nichts frisst und mit Cortison das Hungergefühl gesteigert werden soll. Cortison wirkt sich jedoch auch negativ auf die Nieren aus und kann so die Niereninsuffizienz verstärken.

Pilzerkrankungen

Ein unbedarfter Tierarzt könnte eine Allergie eventuell mit einem Pilzbefall verwechseln und mit Cortison behandeln. Ist dem so, dann wird der Pilz durch die Gabe von Cortison um ein Vielfaches verstärkt. Daher ist eine genaue und grundlegende Abklärung der Krankheit von einem versierten Tierarzt von enormer Wichtigkeit.

Fazit

Cortison ist, richtig angewandt, ein Segen für Katzen, da mit ihrer Hilfe viele Krankheiten ausgemerzt werden können. Allerdings sind Risiken vorhanden, also sollte die Behandlung nur vom Tierarzt des Vertrauens durchgeführt werden. Die äußerst negativen Gerüchte über Cortison resultieren vorwiegend aus den Behandlungsfehlern und unzureichenden Informationen früherer Tage; versierte und im Umgang mit Cortison geschulte Tierärzte wissen jedoch um die Nebenwirkungen und werden alles erdenklich Mögliche tun, um dem felinen Patienten eine genau angepasste Behandlung angedeihen zu lassen und ihn mit Hilfe von Cortison zu heilen.

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Gruß
Christiane

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