Pica-Syndrom bei Katzen

01.08.2022 14:48 (zuletzt bearbeitet: 10.01.2023 14:31)
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Profi-Samtpfote

Pica klingt ja schon mal lustig. Eigentlich ist damit die Elster gemeint, die ja bekanntlich alles, was glänzt, aufpickt und ins Nest verschleppt. Das Pica-Syndrom bei Katzen hingegen ist schwer gesundheitsschädlich und kann im Extremfall bis zum Tode des geliebten Stubentigers führen.

Was versteckt sich hinter der Bezeichnung Pica-Syndrom?

Dieses psychische Krankheitsbild, das übrigens auch beim Menschen zu finden ist, bezeichnet ein wiederkehrendes Zwangsverhalten bzw. Verhaltensstörung der Katze, unverdauliche Materialien jeglicher Art zu fressen. Knabbert also eine Katze an einem Teppich, am Pullover oder schluckt sogar harte Plastikteile und zerbeißt Kabel, so ist dringend angeraten, die Katze gut, wenn nicht sogar ständig, zu beobachten, da die Schädigungen im Maul sowie im Darmtrakt nicht zu unterschätzen sind und eine zeitnahe Abklärung der Ursache dringend und schnellstmöglich notwendig ist.

Was kann durch das Pica-Syndrom passieren?

Eine Katze, die unverdauliche Teile frisst, wird im besten Fall bald unter starken Verstopfungen und Verletzungen im Maul leiden.
Sammelt sich jedoch unbemerkt immer mehr Material im Magen- und Darmtrakt an, dann droht schon nach relativ kurzer Zeit ein Magen- oder Darmverschluss, der, sofern er schnell entdeckt wird, nur noch operativ entfernt werden kann, oder, im schlimmsten Fall, den schmerzhaften Tod der Katze herbeiführt.

Ist das Pica-Syndrom erblich?
Ja, nach der Meinung verschiedener Katzenexperten ist diese Krankheit erblich. Dies würde auch erklären, dass besonders Exoten wie Siamkatzen oder Burma-Katzen zu den am häufigsten unter dem Pica-Syndrom leidenden Rassen zählen. Ist dies wirklich der Fall, so ist eine Änderung dieses Fehlverhaltens genetisch bedingt und nur schwer bis gar nicht zu therapieren, aber diese These ist noch nicht wissenschaftlich untermauert, was Raum für Hoffnung bietet. Ich bin gespannt, ob Besitzer von exotischen Katzenrassen hier diese These untermauern oder widerlegen können.

Habt ihr einen Exoten, dann lasst uns wissen, was dran ist an dem Gerücht der Vererbbarkeit!

Was sind mögliche Ursachen des Pica-Syndroms?

Ideen gibt es wie Sand am Meer, eine definitive Antwort auf diese Frage ist jedoch unmöglich.
Hier einige mögliche Ursachen:
Mangelerscheinungen: Leidet eine Katze unter Mangelerscheinungen, könnte sie versuchen, diese durch die Aufnahme von futterfremden Materialien zu kompensieren. Wird eine Mangelerscheinung vom Tierarzt diagnostiziert, kann hier mittels Nahrungsergänzungsmitteln oder einer tierärztlich empfohlenen Futterumstellung therapiert werden.

Langeweile/Stress: Wie beim Menschen auch, so kann Langeweile ein starker Auslöser dazu sein, durch das Fressen unverdaulicher Dinge eine gewisse Aufmerksamkeit zu erlangen. Hier zählt vor allem, seinem geliebten Vierbeiner viel Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken, viel mit ihm zu spielen und ihn ständig zu beschäftigen. Die Anschaffung eines Spielgefährten könnte eine Möglichkeit sein, um den Stubentiger auch während der Abwesenheit beschäftigt zu halten und ihn so vom Verzehr gesundheitsschädlicher Substanzen abzuhalten.
Allerdings ist hier zu beachten, dass auch Stress eine Ursache des Pica-Syndroms sein kann, welcher neben einem Umzug oder dem Besitzerwechsel auch durch den Zuzug eines neuen Mitbewohners ausgelöst werden kann. Auch eine besonders schwache oder enge Bindung zum Katzenhalter kann zu stressbedingtem Fressen der falschen Gegenstände führen.

Frühzeitiges Abstillen vom Muttertier: Katzenwelpen haben einen angeborenen Saugreflex, den sie während der gesamten Welpenzeit nicht ablegen. Sie werden immer das Bedürfnis haben, zu saugen und zu schlucken, dies ist ihnen aber bei einer zu frühen Trennung nicht möglich. Während die Mutter die Jungtiere langsam entwöhnt, kann ein abrupter Abbruch dieses normalen Verhaltens zu Zwangsstörungen führen, wie zum Beispiel Wolle nuckeln oder fressen. Hierfür eignen sich besonders Socken, Shirts oder der Wohnzimmerteppich, denn meist sind es Dinge, die einen gewissen Eigengeruch ausströmen, der die Welpen an die Mutter erinnert. Wird dieses Fehlverhalten, das zwar niedlich aussieht, aber nichtsdestotrotz gefährlich ist, nicht schon in den ersten Lebensmonaten rigoros unterbunden, kann es sich auch auf synthetische Stoffe oder sogar harte Materialien ausweiten.

Wie therapiere ich meine Katze?

Gar nicht. Das Pica-Syndrom ist nicht heilbar, aber man kann versuchen, seinen Stubentiger umzugewöhnen.

Erst einmal ist es wichtig, der Katze alle Möglichkeiten zu nehmen, an besonders bevorzugte Materialien zu gelangen. Dies ist sehr schwierig, da oft nicht ganz klar ist, welche Dinge die Katze nun wirklich frisst. Im Zweifelsfall muss der Katze alles verwehrt werden, was sie anknabbern oder verschlucken kann. Bei besonders schwierigen oder hartnäckigen Stellen kann auch ein Katzen-Fernhaltespray oder unangenehme Gerüche wie Tabasco, Parfüm, Eukalyptus oder Menthol ausprobiert werden, dies sollte jedoch regelmäßig angewandt werden und setzt eine konsequente Überwachung, ob die Katze auch darauf anspringt, voraus. Kabel, welche auch durch den leitenden Strom gefährlich werden können, kann man mit wenig Aufwand in Kabelkanälen, wie man sie in jedem Baumarkt findet, verstecken.


Pica-Syndrom, von Langeweile ausgelöst, ist mit gesundem Menschenverstand therapierbar. Viele Spiele, viel Ablenkung, tolles Spielzeug und Beschäftigung rund um die Uhr können die Katze vom Zwangsverhalten zu einem normalen und gesunden Jagd- und Spieltrieb führen. Ist der Auslöser Stress, so sollte dieser so schnell wie möglich festgestellt und zeitnah eliminiert werden.
Generell kann man auch der kranken Katze Ersatzgenüsse anbieten. Katzenminze, Katzengras, Schnittlauch oder Gemüse oder zähe Fleischbrocken, an denen sie zu kauen hat, lenken sie möglicherweise vom Verzehr unverdaulicher Dinge ab.

Leidet meine Katze unter dem Pica-Syndrom?

Manchmal ist es nicht leicht, zu entscheiden, ob das Knabberverhalten der Katze bereits auf das Pica-Syndrom hinweist. Da das Syndrom eine wiederkehrende Handlung beschreibt, sollte man also seinen potenziell kranken Stubentiger sehr gut beobachten und stereotypes Verhalten notieren – dann ab zum Arzt zur Abklärung!

Hilfe!!!! Meine Katze frisst ständig Zimmerpflanzen!!!
Entwarnung:
Das Fressen von Pflanzen und Trieben ist den meisten Katzen gegeben. Sie kompensieren möglicherweise einen gewissen Mangel an Mineralien oder haben einfach Lust darauf. Zu diesem Punkt sei jedoch nochmals zu erwähnen, dass gewisse Zimmerpflanzen dennoch für Katzen schädlich sein können, diverse Listen zu diesen No-Go-Pflanzen im Katzenhaushalt finden sich en masse im Internet.

Wer von euch Erfahrungen mit dem Pica-Syndrom hat, kann gerne seine Erlebnisse und Ansichten für seine Leidensgenossen hinterlassen und sich auch gerne im Forum austauschen.

Bitte Copyright beachten

Gruß
Christiane

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