Narkolepsie bei Katzen
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Von 10.000 Menschen sind etwa 4-5 von Narkolepsie betroffen. So selten diese Erkrankung auch erscheint, die Dunkelziffer ist allerdings sehr hoch. Der Grund liegt darin, dass diese Krankheit schwer zu diagnostizieren ist.
Wenn nun beim Menschen, der aktiv bei Untersuchungen mithelfen kann, die Schwierigkeiten einer genauen Erkennung so gravierend sind, um wie vieles Schwerer muss eine Diagnose beim Tier sein?
Zum Glück ist Narkolepsie sowohl beim Menschen als auch bei der Katze eine äußerst seltene Erkrankung, über die aber jeder Katzenfan trotzdem informiert sein sollte.
By the way: bei Hunden und Pferden ist die Narkolepsie wesentlich häufiger anzutreffen, also Katzenhalter - Glück gehabt!
Über Narkolepsie bei Katzen kann man viel spekulieren, allerdings liegt die Vermutung nahe, dass sie dieselben Symptome und Empfindungen erfährt wie der Mensch mit derselben Erkrankung. Leider kann ein Tier nicht nach seinen Erfahrungen befragt werden, es werden aber Versuche an erkrankten Hunden und Katzen für die Humanmedizin gemacht, was wiederum die Ähnlichkeit der Auswirkungen beweist.
Narkolepsie Definition
Die Narkolepsie ist eine Unterform der Hypersomnie, also den allgemeinen Schlafsüchten. Die Bezeichnung selbst formiert sich aus den beiden griechischen Wörtern „narke“ (Krampf, Lähmung, Starre) und „lepsis“ (empfangen, annehmen). Sie ist eine neurologische Erkrankung und äußert sich durch exzessive Tagesschläfrigkeit und Schlafattacken.
Die Auslöser sind ebenso vielfältig wie verstörend. Über genetische und biologische Ursachen ist in vielen veröffentlichen Arbeiten zum Thema gefachsimpelt worden, allerdings wurden bisher meist nur Vermutungen publiziert. Eine davon lautet, dass eine Autoimmunerkrankung vorliegen könnte. Nervenzellen, die für die Bildung von Orexin (ein Botenstoff, der für den Wachzustand zuständig ist) würden somit vom eigenen Immunsystem zerstört werden. Auch von Pandremix, einem Impfstoff gegen die Schweinegrippe, wird vermutet, Ursache für eine Narkolepsie zu sein. Da weder die eine noch die andere Theorie wissenschaftlich belegt wurde, halten wir uns hier an die bekannten Fakten.
Kataplexie
Die Kataplexie ist ein kurzzeitiges Aussetzen der Muskelspannung ohne Bewusstseinstrübung oder –verlust während stark emotionaler Situationen oder im Entspannungszustand. Sie tritt innerhalb weniger Augenblicke auf und kann einige Minuten andauern, bis sie wieder vollständig abflaut. Diese Zeit ist mit keinerlei Schmerzen verbunden, allerdings können durch Stürze oder Anfälle während gefährlicher Situationen Probleme auftreten. Menschen und Tiere benötigen diese Erschlaffung der Muskeln in der REM-Phase unseres Schlafes, damit der Körper während des Träumens die darin vorkommenden Bewegungen wie Rennen, Weinen, Schlagen etc. nicht umsetzen kann.
3 Formen der Narkolepsie
Die klassische Narkolepsie: geht immer mit einer Kataplexie einher.
Die monosymptomatische Narkolepsie: ohne Kataplexie
Die sekundäre Narkolepsie: bei Schädigungen des Gehirns oder Tumore
Klassische Narkolepsie
Die klassische Narkolepsie beinhaltet sowohl die Symptome der „Schlafkrankheit“, welche besonders bei Katzen schwer zu erkennen ist als auch die Kataplexie, die oft das einzige Symptom dafür ist, dass bei dem Tier „etwas nicht stimmt“. Schlafen gehört für unsere Katzen ja zu ihrem normalen Lebensrhythmus und ist daher für uns Katzenhalter nicht weiter beunruhigend. Da Katzen bis zu 20 Stunden des Tages mit Dösen, Schlafen oder Kuscheln verbringen, ist dies ein gewohntes Bild. Erschreckend wird es erst dann, wenn das Tier beim Spielen oder bei Stress plötzlich umfällt und sich einige Minuten lang nicht mehr rührt. Es kann dabei die Augen offen haben, bekommt aber von der Umgebung alles mit. Vom Menschen wissen wir, dass diese Augenblicke zwar aufgrund der Hilflosigkeit unangenehm, aber mit keinerlei Schmerzen verbunden sind.
Monosymptomatische Narkolepsie
Ohne die Kataplexie ist die Narkolepsie kaum zu diagnostizieren, sie ähneln in vielen Teilen auch anderen Bereichen der Hypersomnie. Besonders bei unseren Stubentigern liegt die Vermutung nahe, dass es sich sowohl um eine faule Katze als auch um eine kranke Katze handeln könnte. Die meisten Katzenhalter tippen auf ersteres, eben aus dem typischen Bild, das wir von unseren Tierchen haben. Die Höhe der Dunkelziffer der tatsächlichen Erkrankungen erklärt sich genau aus diesen Diagnoseschwierigkeiten. Selbst Humanmediziner können oft erst nach Jahren eine geeignete Diagnose stellen. Ein Tier, das weder in ein Schlaflabor geschickt noch befragt werden kann, ist umso schwerer bis gar nicht zu diagnostizieren.
Sekundäre Narkolepsie
Schädigungen des Gehirns, Tumore oder Durchblutungsausfälle und Neuroskardiose können Auslöser für eine Narkolepsie sein. Besonders eine Schädigung des Hypothalamus, der für die Wach/Schlaffunktion zuständig ist. Neueste Untersuchungen ergaben eine geringe oder keine Menge an Hypocretin im Hirn von an Narkolepsie leidenden Menschen oder eine genetische Mutation des Hypocretin Rezeptor 2, einem Botenstoff, ohne den Hypocretin nicht wirkt.
Automatisation
Fällt die Katze in einen tiefen Schlaf, während sie gerade spielt oder eine andere Handlung ausführt, kann es sein, dass sie ein automatisiertes Verhalten an den Tag legt. Rein motorisch wird die letzte Handlung weiter ausgeführt, ohne sie jedoch bewusst zu erleben oder zu steuern.
Schlafparalyse
Während des Erwachens wird der Schlaf beendet und die Wachheit beginnt. Dieser Übergang erfolgt beim normalen Schlaf reibungslos und ohne Verzögerung, somit ist er für den Erwachenden nicht bewusst wahrnehmbar. Ist jedoch die Regulierung des Wach-/Schlafrhythmus gestört, ist der Übergang in den Wachzustand für die meisten Erkrankten erschreckend. Was den Körper normalerweise während eines Traumes stillhält, hält auch jetzt still, obwohl der geistige Wachzustand schon lange erreicht ist. Der Erkrankte ist vollkommen unfähig, sich zu bewegen oder zu sprechen, bekommt jedoch von seinem Umfeld alles mit. Dieselbe Störung wird auch beim Einschlafen beobachtet.
Wenn also die Katze mit offenen Augen liegt, sich auch auf Anrufen oder Berührungen nicht bewegt, könnte dies (bei einer diagnostizierten Narkolepsie!) darauf hindeuten, dass diese Dissoziation auftritt. Sollte eine Katze nicht mit Narkolepsie diagnostiziert sein, ist dieses Veralten nicht normal und das Tier sollte sofort einem Tierarzt vorgestellt werden!
Diagnose
Wie erwähnt, ist eine Diagnose nicht einfach, selbst für einen erfahrenen Tierarzt. Weder der starke Schlafzwang der Katze noch andere schlaft(un)ypische Situationen können Auskunft darüber geben, ob die Katze nur müde und entspannt oder doch erkrankt ist.
Die Kataplexie ist das einzige sichtbare Symptom, die auf eine Narkolepsie hinweisen könnte. Ein erfahrener Tierarzt wird bei dringendem Verdacht vermutlich eine Ausschlussdiagnose versuchen. Hier werden herzbedingte Krankheiten, Unfälle mit Kopfverletzungen, Gehirntumore oder Durchblutungsausfälle des Gehirns ausgeschlossen. Durch die Zuführung von Medikamenten können Anfälle ausgelöst oder unterdrückt werden, was ebenfalls Aufschluss über eine mögliche Narkolepsie gibt. Gentests können ebenfalls eine Erkrankung untermauern oder ausschließen.
Da die Kataplexie einer Epilepsie sehr ähnelt, behandeln viele Tierärzte mit Präparaten gegen Epilepsie.
Epilepsie ist bei Tieren weit verbreitet und kann durch Medikamente gut eingestellt werden. Eine Differenzierung der beiden Krankheiten, besonders im Sinne der Medikation, ist auf jeden Fall unumgänglich. Eine Epilepsie hat nichts mit Narkolepsie zu tun und muss entsprechend anders behandelt werden. Bei Unsicherheiten sollte der Tierarzt direkt darauf angesprochen werden oder im Ernstfall eine zweite (und vielleicht dritte) Meinung eingeholt werden, um sicher zu sein.
Vorbeugung
Katzen bewegen sich viel und gerne. Ein erhöhtes Maß an körperlicher Beschäftigung ist bei fast allen Katzenerkrankungen ein erster Schritt in die richtige Richtung. Auch die Ernährung kann entscheidend sein, ob die Tagesschläfrigkeit überhandnimmt oder nicht. Milchprodukte sind ein typisches Beispiel für Nahrungsmittel, die sich verstärkend auf die Tagesschläfrigkeit auswirkt. Das Tier sollte nur nach Fütterungsplan (2x/Tag) gefüttert werden und nach Beendigung der Mahlzeit kein Futter mehr vorfinden. Zu viele und zu ausgiebige Mahlzeiten erhöhen die Tagesschläfrigkeit sowie das Gewicht der Katze. Übergewichtige Tiere haben einen erhöhten Drang zu schlafen.
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