Schlaganfall

29.07.2022 14:20
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Profi-Samtpfote

Schlaganfall und wie ich die Zeichen erkenne


Ein Schlaganfall ist sowohl beim Menschen als auch beim Tier nicht immer schnell und eindeutig zu erkennen. Oft erscheint das Tier krank, erholt sich aber schnell wieder, bis es zu einem neuen Schlag kommt. Zu allem Überfluss existiert noch eine Krankheit, die dem typischen Schlaganfall sehr ähnelt, aber nicht derartig negative neurale Einschränkungen hervorruft. Wer den Schlaganfall einer Katze mit dieser Krankheit, dem Vestibularsyndrom verwechselt und nicht sofort auf Schlaganfall behandelt oder Erste Hilfe leistet, könnte seinen Fehler später sehr bereuen.

Was ist ein Schlaganfall und wie erkenne ich die Symptome?

Wird das Katzengehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt, erhalten die grauen Zellen nicht mehr genug Sauerstoff. In kurzen Episoden ist dies kein Drama und auch nicht zu bemerken, doch bei einer länger andauernden Durchblutungsstörung ist der betroffene Teil des Gehirns nicht mehr arbeitsfähig. Die Hauptursache ist ein Verstopfen der Blutgefäße, was zum Beispiel bei älteren Katzen durch Verkalkung oder durch eine Kopfverletzung hervorgerufen werden kann. Bei einem Schlag auf den Kopf kann es auch zu Gehirnblutungen kommen, welche ebenfalls einen Schlaganfall hervorrufen können.
Meist hört man von betroffenen Katzenhaltern, dass ihre Tiere im Moment des Schlaganfalls gellend schreien und einfach umkippen. Dies ist nicht immer der Fall, auch andere Anzeichen deuten auf einen Schlaganfall hin. Besonders offensichtlich sind zuckende Augen oder hängende Augenlider und Ohren (meist einseitig), eine Schräglage oder Wippen des Kopfes, ein unsicherer und schwankender Gang oder sogar Lähmungserscheinungen.
In diesem Falle ist ein Besuch beim Tierarzt, besser noch ein Anruf beim Tiernotarzt, für einen verantwortungsvollen Katzenbesitzer Pflicht. Wie beim Menschen ist der Schlaganfall ein absoluter Notfall. Erste-Hilfe-Maßnahmen können der Katze das Leben retten und die späteren Einschränkungen so gering wie möglich halten.



Erste Hilfe bei einem Schlaganfall

Wenn die Katze nach dem Zusammenbrechen nicht mehr aufsteht, sollte sie weich gebettet werden. Eine freie Luftzufuhr ist oberste Priorität. Auch wenn es nicht die Art des Katzenhalters ist, mit seiner Miez zu sprechen, in diesem Falle sollte ruhig und behutsam mit dem Tier gesprochen werden. Es soll sich sicher und ruhig fühlen bei „seinem“ Menschen.

Die Behandlung eines Schlaganfalls

Durch ein großes Blutbild und neurologische Untersuchungen kann der Tierarzt feststellen, ob es sich bei dem Anfall wirklich um einen Schlag gehandelt hat. Beim Tierarzt wird die Katze primär medikamentös behandelt, um das Gerinnsel im Gehirn aufzulösen. Da die Durchblutungsstörung auch auf den restlichen Körper übergreifen kann, wird die Katze eventuell auch auf eine warme Matte gelegt und mit Infusionen behandelt.
Eine andere Methode ist die Eigenblutbehandlung, die die Durchblutung anregen soll. Für diese Art der Behandlung liegen jedoch keine fundierten wissenschaftlichen Beweise vor.

Wieder zu Hause

Was der Tierarzt machen kann, ist eigentlich sehr gering im Vergleich dazu, was der Katzenhalter an Nachsorge leisten muss. Es müssen viele Abläufe im normalen Zusammenleben der kranken Katze angepasst werden. Die Pflege einer Schlaganfallkatze erfordert nicht nur sehr viel Geduld, sondern besonders Zeit. Der Stubentiger braucht jede Unterstützung, die er von seinem Menschen erhalten kann, besonders, da ihm vermutlich der Orientierungssinn fehlt.
Da durch den Schlag die neuralen Fähigkeiten meist stark eingeschränkt sind, muss die Katze wieder viele Dinge erlernen. Im Grunde kann man sich das vorstellen wie bei einem kranken Großvater: Das Essen muss in Häppchen gereicht werden, möglichst auf einem flachen Teller, genauso wie das Wasser auch. Durch die Koordinationsprobleme kann es sein, dass der kleine Liebling nicht einmal das Futter oder das Wasser trifft, daher kann es auch hilfreich sein, die Schnauze direkt heranzuführen und bei dem Tier zu bleiben. Nur so kann man sicher sein, dass die Katze auch genug aufgenommen hat.
Überhaupt muss das Umfeld so angepasst werden, dass die Katze sich nicht durch ihre Einschränkungen verletzen kann. Lähmungserscheinungen treten sehr häufig auf, daher sollte auch die Katzentoilette auf die speziellen Bedürfnisse abgestimmt sein, sodass das Tier keine Hürde überwinden muss, um seine Notdurft zu verrichten. Viele Schlaganfallpatienten haben massive Lähmungen der hinteren Extremitäten, was auch zu Inkontinenz führen kann. Eine maßgeschneiderte Miniwindel wird die Katze nicht merken, es erleichtert aber das Zusammenleben mit dem Tier. Aber bitte: beim Wickeln muss auch alles sauber gemacht werden, sofern die Katze nicht in der Lage ist, ihrem Reinlichkeitsbedürfnis nachzukommen.
Trotzdem das Tier partiell gelähmt sein kann, kann es Liebe und Zuneigung sehr wohl fühlen. Sie genießen jede Streicheleinheit und lassen sich gerne an ihrer Lieblingsstelle kraulen. Das Wohlgefühl des Patienten führt zu einem schnelleren Heilungsprozess. Wie wir ja wissen, ist auch das Schnurren für die Katze Medizin.

Übungen zur Regeneration

Je nach Ausmaß der neurologischen Ausfallerscheinungen können vom Katzenhalter Übungen durchgeführt werden, um die Katze wieder an die normalen Bewegungsabläufe und Funktionen des Körpers zu gewöhnen. Diese Übungen können sehr unterschiedlich sein und müssen auf die speziellen Anforderungen der Katze angepasst sein.
Sehen: Kann das Tier nicht mehr zielgerichtet sehen, hilft es, eine Hand direkt vor die Katze legen oder halten. Hat die Katze die Hand registriert und fokussiert, kann diese langsam dahin bewegt werden, wo die Einschränkungen der Katze beginnen. Kann sie nicht nach oben sehen, wird die Hand langsam über das Köpfchen gehoben, kann sie nicht geradeaus sehen, vor das Gesicht gelegt und langsam nach rechts und links bewegt. Hier ist es von größter Wichtigkeit, dass diese Bewegungen langsam und auch nicht zu weit gehen. Kleine Schritte erreichen meist die größere Wirkung.

Achtung Verwechslungsgefahr!

Wie bereits eingangs erwähnt, ist die Gefahr groß, den Schlaganfall mit einer anderen Erkrankung zu verwechseln: Dem Vestibularsyndrom. Es wäre schön, sich darauf verlassen zu können, dass das Tier „nur“ am Vestibularsyndrom leidet, aber die Missdeutung eines Schlaganfalls kann direkt zum Tode der Katze führen. Trotzdem wir hier kurz auf das Vestibularsyndrom eingehen, ersetzt dies nicht eine umgehende Notfallbehandlung durch einen Tierarzt, sofern diverse Symptome auftreten.
Im Inneren des Ohres befindet sich das Vestibularorgan. Dieses reguliert das Gleichgewichtsempfinden der Katze. Wird das Organ gestört, ist auch das Gleichgewicht nicht mehr gegeben. Dies kann wie der Schlaganfall blitzartig auftreten, ist aber nicht annähernd so gefährlich. Auch länger andauernde neurologische Erkrankungen treten im Normalverlauf nicht auf.
Das Gleichgewichtsorgan kann durch unterschiedliche Krankheiten gestört werden, einen ganz bestimmten Anlass gibt es jedoch nicht. Die Symptome sind dem Schlaganfall sehr ähnlich und werden daher auch oft von Laien, aber auch schon von Tierärzten falsch eingeschätzt. Nur eine genaue Untersuchung bringt Gewissheit. Symptome sind Schräglage des Kopfes oder der Ohren und ein torkelnder Gang, auch Augenzucken ganz zu Anfang des Vestibularsyndroms kommt häufig vor.
Im Gegensatz zum Schlaganfall reguliert sich jedoch der Körper innerhalb von 24 – 48 Stunden wieder von selbst, in seltenen Fällen bleibt eine leichte Neigung des Kopfes zurück.

Gruß
Christiane

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