Futterneid

28.07.2022 14:37
#1
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Profi-Samtpfote

Besonders im Mehrkatzenhaushalt ist Futterneid keine Seltenheit. Trotzdem die Samtpfoten täglich das gleiche Futter in der gleichen Menge enthalten gibt es immer wieder einen Vielfraß, der nicht nur seinen Anteil verschlingt, sondern auch den der felinen Mitbewohner. Dabei kann er sehr rüpelhaft vorgehen, die Auswirkungen dessen sind ihm egal-Hauptsache, er bekommt das Futter. Nicht immer tritt Futterneid sofort auf, auch langjährige WG-Bewohner können dieses Verhalten kurzfristig ausbilden. Der Zuzug eines Neuankömmlings kann ebenfalls Futterneid auslösen, möglicherweise, um von Anfang an die Hierarchie im Mehrkatzenhaushalt festzulegen.
Als Futterneid bezeichnet man genau das, was man sieht. Ein (oder mehrere) Tiere gehen einen Nahrungskampf ein, sie lassen keinen anderen mehr an die Näpfe, rempeln ihn weg oder verjagen ihn fauchend, um sich über dessen Fresschen herzumachen. Warum ist das so?


Wie äußert sich Futterneid

Wer seine Katzen zusammen füttert, sich aber über die unterschiedlichen körperlichen Proportionen der Miezen wundert, sollte einmal genauer hinsehen, wenn die Fütterungszeit anbricht. Ist ein gemeinsamer Napf vorhanden, den alle Katzen nutzen, wird oft sehr schnell deutlich, dass einer der Stubentiger sich schneller als alle anderen bedient und das Fressen richtiggehend hinunterschlingt, während die anderen Katzen zu kurz kommen. Stehen verschiedene Näpfe bereit, wird der Neider sich erst auf den Napf der Konkurrenz stürzen und den Inhalt in Windeseile verschlingen, bevor er sich an seine eigene Futterstelle begibt und dort dasselbe durchzieht. Dabei versteht er es meisterhaft, die Konkurrenz vom freien Futternapf fernzuhalten und verzichtet dabei nicht auf Rempeleien, Fauchen oder böse Blicke, die definitiv ernst zu nehmen sind. Was viele gar nicht glauben wollen: auch die Hand, die ihn füttert, kann angegriffen werden, denn immerhin könnte sie ihm ja etwas von seiner Beute wegnehmen.

Gesundheitliche Bedenken

Im Grunde genommen wäre es ok, einfach genug Futter für alle Katzen bereitzustellen, damit jede ausreichend zu sich nehmen kann. Doch es gibt einige gesundheitliche Bedenken, aufgrund derer ein Eingreifen durch den Halter unumgänglich ist. Die verhaltensgestörte Katze kann durch den Futterneid in extremen Stress geraten, der ihr kaum anzusehen ist, sie aber mental beeinträchtigt und zu weiteren Verhaltensauffälligkeiten führen kann. Sie überfrisst sich jedes Mal, erbricht das Futter aber auch wieder. Durch die Menge des gierig hinunter geschlungenen Futters nimmt sie an Gewicht zu und zählt bald zu den übergewichtigen und damit für Krankheiten anfälligeren Tieren.
Die unter dem dominanten und gierigen Tier leidenden Mitbewohner hingegen können an Mangelerscheinungen erkranken und durch die geringe Futterzufuhr schnell und stark abnehmen. Auch sie leiden vermehrt unter Stress oder, bei besonders aggressiven Futterneidern, sogar unter Angst, sobald das Futter kommt und die Fütterungszeit beginnt.
Alles in allem eine für alle Seiten unangenehme und die Gesundheit beeinträchtigende Situation, die das Eingreifen durch den Menschen rechtfertigt, allerdings nur auf sanfte und konsequente Art und Weise. Das erfordert etwas Zeit, eine geregelte Fütterung, kleine Anschaffungen und vor allem viel Geduld. Wer sich jedoch konsequent einbringt, kann schon bald erste Erfolge verbuchen, allerdings dauern Wunder eben immer etwas länger.

Neid an sich

Wer seine Stubentiger gut beobachtet, wird vermutlich im täglichen Nahrungskampf eine neidvolle Verhaltensweise sehen. Ob es wirklich Neid ist, der den Katzen den Blick in den benachbarten Napf so schmackhaft macht das sei dahingestellt. Klar könnte es sein, dass die Mieze im Napf der anderen Katze etwas Besseres vermutet als im eigenen. Aber weniger verständlich ist es dann, dass sie diesen als auch ihren eigenen Napf bis zur Neige leert. Eigentlich müsste sich beim ersten Brocken ja schon den Irrtum bemerkt haben, trotzdem scheint sie der beraubten Fellnase nicht das kleinste Fitzelchen zu gönnen.

Vernachlässigung in den ersten Lebenswochen

Besonders bei Jungtieren, die in den ersten Lebenswochen nur spärlich mit Nahrung versorgt wurden, tritt Futterneid im späteren Leben gehäuft auf. Die Ursachen dieser Vernachlässigung sind ebenso vielfältig wie das spätere Erscheinungsbild des Futterneids. So könnte ein Welpe, der zu klein und schwach geboren wurde, von den größeren Geschwistern an Mutters Milchbar ständig verdrängt worden sein. Oder die Kätzchen wuchsen in einem Tierheim auf, wo sich alle Mitbewohner gleichzeitig am Fressen bedient haben. In beiden Fällen prägte sich der Kampf um das Fressen als normaler Überlebenskampf ein. Die Angst, beim Fressen zu kurz zu kommen, sitzt tief.

Mobbing

Wie bei allen Mehrtierhaushalten wird auch unter Katzen eine gewisse Hierarchie festgelegt. Eine der Möglichkeiten, die eigene Stärke zu beweisen, ist es, dem Mitbewohner klar deutlich zu machen, wer im Haus die Hosen anhat. Hier sind der Katzenphantasie kaum Grenzen gesetzt. Ob der Gang zum Klo verwehrt wird oder das Futter des Kontrahenten vereinnahmt wird, es geht hier einzig und allein um Mobbing. Die schwächere Katze wird unterdrückt, bis sie sich der stärkeren Katze unterordnet.



Futterneid vorbeugen

Um eine Verhaltensstörung wie den Futterneid schon von vornhinein zu unterdrücken, hilft es oft schon, für jede Katze einen eigenen Napf bereitzustellen und zwei Fütterungszeiten täglich einzuführen. Der Halter sollte sich auch nicht gleich nach der Futtergabe zurückziehen, sondern ein Weilchen die Zustände an den Näpfen kontrollieren, um im Bedarfsfall einzuschreiten.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass Katzen schlau genug sind, um einen Napf als den ihrigen zu erkennen. Dazu muss der Napf ein auffälliges, aber klares Muster aufweisen, das sich markant von den anderen Näpfen abhebt. Die Farbe ist dabei eher nebensächlich. Voraussetzung für eine Eigentumsübernahme durch die Katze ist natürlich, dass immer nur der gleiche Napf für die gleiche Katze genutzt wird, und zwar konsequent. Die Katze erkennt bei der Fütterung ihren eigenen Napf sofort und wird dann auch nur diesen nutzen.
Startet der Futterneider trotzdem scharf durch, um an einen anderen Napf zu gelangen, so gilt es, ihn sanft, aber bestimmt zu seinem eigenen Napf zu führen, um ihm die Grenzen klar aufzuzeigen. Auch eine getrennte Fütterung der Katzen kann zum erwünschten Ziel führen. Dies gilt vor allem dann, wenn sich die schwächere und unterdrückte Katze immer noch durch die Anwesenheit des dominanten Mitbewohners gestresst fühlt und ihrerseits das Fressen abbricht. Eine getrennte Fütterung sollte, wie bei allen Regeländerungen im Katzenhaushalt, konsequent eingehalten werden. Die Stubentiger können dann in Ruhe ihre Nahrung verputzen, ohne sich gestört zu fühlen. Nach der Fütterung werden die Näpfe wieder unerreichbar bis zur nächsten Fütterung weggestellt.

Gruß
Christiane

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29.07.2022 17:36
avatar  El Gato
#2
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Höchst erfahrene Katzenfachkraft

Unsere Candy ist auch so eine dominante Katze, die den anderen das Futter streitig machen will. Ich glaube, sie musste früher um ihr Futter kämpfen.

Ich füttere sie nur von den anderen getrennt. Anders geht es leider nicht.

Wenn ich zur Fütterzeit aufstehe, um in die Küche zu gehen, stürmt sie manchmal direkt auf Sugar zu, die sie wohl als Konkurrenz ansieht, und reißt sie um. Manchmal nimmt sie Sugar dabei in einen Klammergriff, aus dem sie sich nicht befreien kann. Bei den ersten drei Malen, die das passierte, schrie Sugar furchtbar, weil sie wohl dachte, sie würde jetzt richtig schlimm verdroschen. Danach lernte Sugar, Candy auszuweichen und im richtigen Moment wegzuspringen. Ab und zu geht sie zum Gegenangriff über und springt Candy immer wieder mit herausgefahrenen Krallen an. Candy gibt dann klein bei und läuft vor ihr davon

Dadurch, dass Sugar sich wehrt, hat Candy sich das ziemlich abgewöhnt. Manchmal, wenn Sugar nicht gut genug aufpasst, macht sie es trotzdem noch.

Gut, dass Candy die Kleinen bisher in Ruhe gelassen hat, wenn es Futter gibt. Bald werden sie ohnehin größer als sie sein; dann wird sie es sich sowieso nicht trauen

Coco frisst übrigens auch sehr schnell und verdrängt Minou dann von ihrem Futternapf. Damit das nicht mehr vorkommt, bekommt sie etwas mehr als Minou.


Meine Sternchen Lilly, Micky und Tigger im Herzen ❤️

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30.07.2022 00:15
avatar  drquinn
#3
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Quasselstrippe

Jenny hatte ja das Problem, das eine immer sehr kleine Portionen gefressen hat und einer der anderen alles wegfraß. Durch die Surfeed Näpfe hat sich das erledigt. Jeder bekommt nur seinen Napf auf, da mit Chip gekoppelt. Seitdem ist Ruhe

Anja.
Tammy und Gizmo, somewhere over the rainbow

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01.08.2022 15:30
#4
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Profi-Samtpfote

Futterneid gab es zwischen den Jungs eigentlich nie. Dazu waren die Geschmacksnerven zu differenziert und sie zudem unterschiedlich aufgewachsen sind.

Was sich über die Jahre herauskristallisiert hatte, ist, dass Nüssle sich über Janis Verhalten auch an ihm unbekanntes Futter gewagt hatte und das ist bis heute geblieben.
Er futtert noch lange nicht alles, aber es wird zumindest Geruchstechnisch an und eingehaucht.

Gruß
Christiane

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