Kann Züchten auch aktiver Tierschutz sein

26.07.2022 19:59
#1
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Profi-Samtpfote

Fast täglich hört man von Tierschutzaktionen in Tierheimen, in denen sich ungewollte oder sogar kranke Katzen schon fast bis an die Decke stapeln. Trotzdem gibt es immer noch Züchter, welche es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, Rassekatzen zu vermehren. Dies ist ein kontroverses Thema, mit welchem wir uns sicher beschäftigen sollten.

Was versteht man unter aktivem Tierschutz?
Der Begriff „aktiver Tierschutz“ wird überall da angewandt, wo kranke und verwahrloste Lebewesen aufgepäppelt und wieder in die soziale Gesellschaft eingegliedert werden. Kastrationsaktionen bei frei lebenden Hunden und Katzen zählt ebenso dazu, dem allgemeinen Tierleid entgegenzuwirken wie die Verwirklichung artgerechter Zustände im landwirtschaftlichen Mastbetrieben und in der Haushaltung. Tierschützer setzen alles daran, die Lebensumstände aller Lebewesen zu verbessern und ihnen ein wertvolles Leben zu ermöglichen.

Unterschied zwischen Vermehrern und Züchtern
Man gerät schnell in Versuchung, Vermehrer und Züchter auf eine Ebene zu stellen, doch es bestehen hierbei gravierende Unterschiede. Vermehrer legen es darauf an, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Nachkommen zu „produzieren“, um einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.
Diese unseriösen Machenschaften arbeiten meist entgegen den Statuten des Tierschutzes, oft sind die Muttertiere durch zu häufige Trächtigkeiten bereits ausgelaugt und mehr tot als lebendig, die Welpen sowie die Elterntiere werden unter miserablen hygienischen Voraussetzungen aufgezogen und tierärztliche Untersuchungen sträflich vernachlässigt. Dies hat zur Folge, dass immer mehr kranke und degenerierte Tiere das Licht der Welt erblicken, welche dann entweder auf der Straße landen oder gleich nach der Geburt getötet werden.

Im Gegensatz dazu steht der Züchter, welcher sich in eine Katzenrasse verliebt und durch seine Züchtungen die perfekten Gene weitergeben möchte. Dieser ist daran interessiert, dass seine Katzen sauber, psychisch stabil und genetisch einwandfrei sind, nicht primär an dem Verdienst daran.
Viele mögen jetzt sagen, dass ja auch der Züchter Geld für seine Katzenwelpen nimmt, und das auch nicht zu knapp. Ein seriöser Züchter steckt jedoch seine „Einnahmen“ zum großen Teil in die tierärztlichen Untersuchungen, Impfungen, eine schöne und artgerechte Umgebung und anderen für die Tiere relevanten Bereiche.
Sie strotzen nur so vor Erfahrung, welche sie bei Interesse auch gerne weitergeben. Selbstverständlich sehen sie ihre Nachzucht nicht als „Ware“ an und sind weit davon entfernt, ihre Katzen an jeden Beliebigen zu „verscherbeln“.
Sie kümmern sich darum, ein katzengerechtes Zuhause zu finden und bieten meist sogar eine Rücknahmeoption an, wenn sich die Umstände der neuen Besitzer verändern und diese nicht mehr für die gekaufte Katze aufkommen können. Auch zurückgebliebene Jungtiere werden nicht einfach „entsorgt“, sondern liebevoll in die Gemeinschaft aufgenommen. Ein seriöser Züchter sorgt sich in jedem Augenblick darum, dass es seinen Stubentigern gut geht und sie perfekt untergebracht sind.

Doch ist das aktiver Tierschutz?
Tierheime sind überfüllt und wilde Katzen vermehren sich rasend. Wie kann man also einen Züchter als „aktiven Tierschützer“ ansehen, wo doch so viele vermittelbare Katzen auf ein schönes Heim warten? Im Grunde muss man hier differenzieren, denn Zuchtkatzen gehen meist an ein anderes Klientel als die Katzen, welche normalerweise in einem Tierheim zu finden sind. Schon die äußerst hohen Kosten einer Rassekatze verringert die Möglichkeit, diese Katze in ein Tierheim abgeschoben zu sehen. Vielmehr sind Tierschutzkatzen eher im Bereich der „verschenkten“ Mischlingskätzchen anzusehen, die niemand mehr haben will, sobald sie aus dem niedlichen Babyalter herausgewachsen sind oder Krankheiten entwickeln, welche teuer behandelt werden müssten.

Als aktiven Tierschutz kann man die Zucht nicht reinen Gewissens bezeichnen. Doch ein seriöser Züchter hat seine Grundsätze, nach denen er seine Zucht betreibt. Innerhalb seines Bereiches trifft der Ausdruck „aktiver Tierschutz“ wohl zu, doch weiter hinaus sollte man doch nicht gehen.
Sie kümmern sich darum, dass ihre Katzen gut untergebracht sind und kümmern sich auch um die Vermittlung von „Rückläufern“, damit diese nicht in einem Tierheim landen.

Seriöse Züchter sind auf jeden Fall Pro Tierschutz
Selbst wenn man davon ausgehen kann, dass eine Zucht nicht viel mit „aktivem Tierschutz“ zu tun hat, so geht sie jedoch in eine ähnliche Richtung.

Ein Züchter achtet darauf, dass sich seine Tiere nicht unkontrolliert vermehren.
Ein Züchter achtet darauf, dass das Tier sozial gefestigt ist
Ein Züchter achtet auf die optimale gesundheitliche Versorgung.
Ein Züchter versorgt auch Tiere, welche nicht ihren Weg zu einem Besitzer finden.
Ein Züchter sorgt für die Unterbringung in einem guten Zuhause.
Ein Züchter züchtet gesunde und genetisch einwandfreie Katzen.
Ein Züchter sorgt dafür, dass neue Besitzer über Kastration Bescheid wissen.

Wenn alle Hobbyzüchter oder Privatpersonen, welche keinen großen Wert auf Kastration legen, diese grundlegenden Punkte für sich übernehmen würden, wäre dem Tierschutz ein großer Dienst erwiesen. Denn leider sind es nicht immer nur die freien und wildlebenden Katzen, welche sich unkontrolliert mehrmals im Jahr vermehren und immer weiteres Katzenelend verursachen, sondern auch Privatpersonen ohne besonderen Bezug zu ihren Katzen. Hier sollte angesetzt werden, doch an Aufklärung oder gar an Einsicht mangelt es sehr, weswegen eine Verbesserung der Umstände nicht in Sicht ist.


Wie ist eure Meinung?
So gut wie jedes Thema hat seine Befürworter und Kritiker. Wie steht ihr dazu?
Seid ihr der Meinung, dass ein Züchter sehr wohl den „aktiven Tierschutz“ unterstützt oder nicht? Warum sehen viele Katzenliebhaber Züchter mit gemischten Gefühlen?
Wird etwas übersehen, was von größter Wichtigkeit sein sollte ? Finden wir Antworten auf Fragen, die vielleicht noch nicht gestellt wurden, jedoch die Sichtweise des ein oder anderen Lesers grundlegend verändern würden.
Ein heiß diskutiertes Thema, ich weiß - Ich bitte nur darum, eure Meinung ohne verbale Angriffe zu verfassen, damit hier eine konstruktive Diskussion, aber kein Streit entstehen kann.

Gruß
Christiane

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27.07.2022 16:11
avatar  El Gato
#2
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Höchst erfahrene Katzenfachkraft

Schwieriges Thema. Ich bin da auch ein wenig im Zwiespalt, weil Zuchtkatzen im Grunde mit Katzen vom Tierschutz "konkurrieren".

Andererseits kann ich mir vorstellen, dass sich jemand für eine Katzenrasse und deren Zucht begeistern kann.

Zu den Kosten, die ein Züchter hat, findet man auf der Homepage der Züchterin, von der Coco und Minou stammen, u.a. Folgendes:

Zitat
Wer einmal genau überlegt, was alles notwendig ist, um Rassekatzen optimal aufzuziehen, kommt schnell dahinter: Rassekatzenzucht ist eine Liebhaberei, und ein Hobby kostet Geld, statt etwas einzubringen!
Da sind zunächst die Anschaffungskosten für gute Zuchttiere, die können schnell bei € 2500,-pro Tier liegen. Dann folgen die Vereinsbeiträge, denn ein seriöser Züchter ist auf jeden Fall in einem guten Verein. Fachliteratur und Seminare, um sich fortzubilden, fallen laufend an. Die Wohnung muss katzengerecht eingerichtet werden, evtl. auch der Garten bzw. die Terrasse oder der Balkon. Ein Ausstellungsbesuch, vielleicht sogar im Ausland, schlägt schnell mit ein paar hundert Euro zu Buche. Und da die Kitten nicht von Anfang an stubenrein sind, ist schnell mal ein neuer Fußboden oder ein neues Möbelstück nötig.

Die Zuchttiere müssen besonders gut ernährt werden und verlangen regelmäßige Impfungen. Die Deckung bei einem guten Kater kostet auch einige hundert Euro, aber auch die Haltung eines eigenen Deckkaters ist nicht billig. Sind die Kitten da, müssen Anzeigen geschaltet werden und auch die Kleinen verlangen bestes Futter und die Grund-Impfungen. Die Ausstellung der Stammbäume kostet hingegen nur ca. € 25,-. Was der Züchter allerdings an Sorgen und Arbeit in die Aufzucht steckt, das schlägt sich in der Regel kaum nieder.



Wenn meine Freundin nicht die Katzenallergie hätte, hätten wir uns wohl für wieder für Tierschutzkatzen entschieden und nicht für die Sibis, obwohl wir diese Rasse einfach toll finden


Meine Sternchen Lilly, Micky und Tigger im Herzen ❤️

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