Am Ende eines gemeinsamen Lebens

26.07.2022 16:27 (zuletzt bearbeitet: 10.01.2023 14:56)
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Profi-Samtpfote

Selbst unsere liebsten Weggefährten müssen irgendwann einmal von uns gehen. Wer das Glück hat, seine Katze bis zu ihrem Lebensende begleiten zu dürfen, sollte einige Besonderheiten im Umgang vor und mit dem kommenden Ereignis beachten. Auch wenn es schwer erscheint, darüber nachzudenken, was am Schluss eines gemeinsamen Lebensweges auf einen wartet, so lohnt es doch, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen. Auf diese Weise ist jeder Katzenliebhaber in der Lage, den letzten Lebenszyklus und den zu erwartenden Abschied für beide Seiten so schön wie möglich zu gestalten und ein würdevolles Sterben zu ermöglichen.

Bezaubernde Oldies

Die Lebenserwartung unserer Hauskatzen ist in den letzten Jahrzehnten enorm angestiegen. War früher eine Katze mit 12 Lenzen bereits kurz vor dem Ende, so können Wohnungskatzen bei guter Pflege und unter entsprechender tierärztlichen Kontrolle durchaus bis zu 20 Jahre alt werden. In dieser langen Zeit, die Haustier und Katzenkloreiniger miteinander verbringen, entsteht ein harmonisches Miteinander, das sich besonders in den letzten Jahren intensiviert. Beide Seiten kennen die Eigenheiten des jeweils anderen und lassen sich durch längst bekannte Marotten nicht mehr stören. Die Gelassenheit eines alternden Stubentigers greift schnell auf den Katzenhalter über und lässt ihn die Anwesenheit des felinen seelenverwandten in Ruhe und Abgeklärtheit genießen.



Auch alte Katzen brauchen Betreuung

Im Gegensatz zu Hunden werden alternde Stubentiger oft vernachlässigt. Dies meist nicht aus mangelnder Fürsorge, sondern aus einem grundlegenden Unverständnis heraus, dass die sonst so selbständige und agile Katze plötzlich zu einem Pflegefall werden kann. Doch ja, bei alten Stubentigern ist nicht nur eine regelmäßige medizinische Kontrolle nötig, sondern auch eine gute Beobachtungsgabe. Katzenomis und –opis verlieren im fortgeschrittenen Alter oft die Fähigkeit, sich ausgiebig um Ihre Körperpflege zu kümmern, die Toilette zu benutzen oder regelmäßig und genügend zu fressen.

Fällt dir eines dieser Dinge bei deinem Rentner auf, dann gewähre ihm die gleiche Aufmerksamkeit und Zuwendung, die er dir sein Leben lang geschenkt hat. Deine alte Katze wird Veränderungen durchmachen. Hab Geduld mit ihr, auch wenn diese Stimmungswechsel nicht immer die nettesten sein werden.


Neue Attitüden ohne Willkür

Alternde Katzen können, genauso wie der Mensch, senil oder dement werden. Diese Veränderungen irritieren deinen geliebten Vierbeiner und lassen durch die Desorientierung auch sein Gemüt und seinen Charakter wechseln. Aggressives Verhalten, übermäßiges Miauen, ein gestörter Tag/Nacht-Rhythmus oder Wasserlassen außerhalb des dafür vorgesehenen Klos, all dies und noch mehr können Zeichen für einen Bewusstseins verändernden Alterungsprozess sein.

Hier ein kleiner Tipp:
Wird es dir zu viel und du denkst, dass dieses Verhalten nicht tragbar ist, rechne dir bitte das Alter deiner Katze aus. Eine 15-jährige Katze ist bereits um die 75 Jahre alt, und jeder weiß, dass viele Menschen in diesem Alter ebenfalls unter einigen Verhaltensauffälligkeiten leiden.

In Würde gehen lassen – Euthanasie, oder nicht?

Ein geliebtes Haustier gehen zu lassen, fällt schwer. Am Ende eines Katzenlebens oder bei einem todkranken Stubentiger steht dessen Besitzer oft vor der alles entscheidenden Frage: Verbringe ich die verbleibende Zeit mit ihm und lasse der Natur ihren Lauf oder übergebe ich ihn einem schönen Tod? Diese Entscheidung ist die schwierigste überhaupt, denn niemand möchte gerne beim Hinscheiden seines Hausgenossen Regie führen. Oft ist die Euthanasie jedoch unvermeidlich, um ein langes Leiden abzukürzen und den Vierbeiner in Würde gehen zu lassen.

Lass deine Katze nicht unnötig lange leiden, weil du es nicht übers Herz bringst, den Todeszeitpunkt selbst zu wählen oder du einfach nicht loslassen kannst.

Es ist generell sehr schwer, einen Punkt festzulegen, ab dem eine Euthanasie Sinn macht. Mittels der Checkliste einer amerikanischen Tierärztin, welche im Buch
Lauter reizende ... alte Katzen!
Näher beschrieben ist, können auch Nichtmediziner auf einfache Weise feststellen, ob die bestehende Lebensqualität des Vierbeiners eine Euthanasie rechtfertigt oder nicht.
Wer die Zeit hat, seinen Lebensabschnittsgefährten in der letzten Zeit zu begleiten und die Gesundheit der Katze es erlaubt, spricht nichts dagegen, einen natürlichen Ablauf der Dinge abzuwarten. Wer jedoch keine Zeit hat, sich liebevoll um seinen Vierbeiner zu kümmern, und dieser sich mehr schlecht als recht alleine durchschlagen muss, dann kann eine Euthanasie der bessere Weg sein, seinem langjährigen Freund ein angenehmes und würdevolles Überschreiten der Regenbogenbrücke zu ermöglichen.

Abschied nehmen

Lass dir Zeit. Nimm dir alle Zeit der Welt, um dich von deinem Haustier zu verabschieden. Weine, trauere, streichle und fühle, all das hat dein Tier verdient. Und du auch, denn der Abschied muss tief im Inneren erfolgen, um vollkommen zu sein.

Erst dann kann man, wenn auch schweren Herzens entscheiden, dem geliebten Tier nach meist langen und trotz zahlreichen Therapien unheilbaren Erkrankungen einen elenden Leidensweg zu ersparen. Ein Termin mit dem behandelnden Tierarzt vereinbart werden.

Für welchen Weg man sich auch entscheidet, am Schluss bleibt der Tod.

Der Freund und Partner scheidet aus dem Leben und hinterlässt einen leeren Raum, der mit Tränen gefüllt ist. Trauere so lange du willst, und lass dich nicht von deinem Umfeld beeinflussen. Es ist deine Gefühlswelt, die durch die Trauerbewältigung wieder ins Lot gebracht werden muss. Stell deine Trauer nicht infrage, sondern lebe sie aus, bis sie verblasst und nur noch schöne Erinnerungen an die gemeinsame Zeit bleiben.

Stehst du vor einer schweren Entscheidung?

Ist dein kleiner Liebling bereits in Richtung Regenbogenbrücke unterwegs? Bist du dir nicht sicher, was das Beste für deine Katze ist? Oder hast du bereits diesen schweren Weg beschritten und verfügst über gute Tipps, die du Betroffenen weitergeben kannst?
Wie gehst du mit deiner Trauer um, und wie verhält es sich mit der Trauer von Partnerkatzen? Lässt du eine Verabschiedung vom toten Artgenossen zu oder möchtest du deinen Vierbeiner vor der Realität des Todes schützen?

Bitte Copyright beachten

Gruß
Christiane

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