Diabetes bei Katzen

26.07.2022 15:38
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Profi-Samtpfote

Wie so viele unangenehme Erkrankungen ist Diabetes nicht nur beim Menschen ein weit verbreitetes Übel, auch unsere felinen Weggefährten können an verschiedenen Arten von der landläufig als Zuckerkrankheit genannten Krankheit leiden. In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der erkrankten Katzen beinahe verdoppelt, besonders bei Katzen ab den mittleren Lebensjahren. Besonders betroffen sind alte Katzen, die meisten Patienten sind übergewichtig. Auch kastrierte Katzen sind mehr von Diabetes betroffen als unkastrierte, da diese durch die Kastration der Kalorienbedarf senkt, sie aber weiter normal gefüttert werden und dadurch übergewichtig werden.

Was ist Diabetes?

Diabetes ist gleich Insulinmangel. Bei gesunden Katzen wird nach der Futteraufnahme Insulin ausgeschüttet, um die Glukose („Zucker“) in Energie umzuwandeln und an die Zellen abzugeben. Bei Katzen mit Diabetes kann nicht genügend Insulin ausgeschüttet werden, was für den Stoffwechsel des Tieres ein massives Problem darstellt. Der Abbau der Glukose sowie deren Transport in die Zellen wird verhindert, es entsteht eine Überzuckerung des Organismus sowie zu einer vermehrten Ausscheidung des Urins über die Niere. Es folgt ein extremer Proteinabbau, währenddessen der Blutzuckerspiegel stetig steigt, was beim Stubentiger zu Schwäche, schlechter Heilung von Wunden sowie Gewichtsverlust führt.

Symptome

Die häufigsten Symptome einer Diabetes-Erkrankung bei Katzen ist großer Durst und starker Harndrang. Die Tiere entwickeln großen Hunger und gehen diesem auch nach, nehmen aber nicht an Gewicht zu. Entgegengesetzt zu der hohen Nahrungsaufnahme verlieren Diabeteskatzen rapide an Gewicht. Da eine Gewichtsreduktion auf unterschiedliche Erkrankungen zutrifft, ist eine genaue Untersuchung durch den Tierarzt unumgänglich.

Auslöser

Diabetes mellitus kann durch unterschiedliche Grunderkrankungen hervorgerufen werden. Sie klingt im Normalfall wieder ab, sobald die Grunderkrankung behandelt und geheilt wird. Zu den auslösenden Krankheiten zählen: Insuffizienz oder Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, eine Überfunktion der Schilddrüse oder auch das Cushing-Syndrom, welches jedoch sehr selten auftritt. Auch Stress kann zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels und somit zu Diabetes führen.

Typ II – Diabetes: Bei diesem Typus ist nicht die verminderte Ausschüttung von Insulin der auslösende Faktor, sondern eine Insulinresistenz. Das heißt, die Zielzellen sind nicht auf Insulin sensibilisiert. Die Muskeln, die Leber und das Fettgewebe nehmen keinerlei Glukose mehr auf. Glukose wird von Leber und Niere synthetisch hergestellt. Durch das zugeführte Insulin erfolgt eine eine Insulinsekretion (-ausschüttung) aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse, was dem Körper die Aufnahme von Glucose erleichtern sollte. Auf Dauer funktioniert diese Hilfestellung jedoch nicht, es wird immer weniger Glucose in die Zellen aufgenommen, der Blutzuckerspiegel steigt jedoch immer weiter. Im Gegensatz dazu erschöpfen sich die Betazellen der Bauchspeicheldrüse und schütten immer weniger Insulin aus, was zu einem absoluten Insulinmangel führt.
Typ I – Diabetes: die seltenste Art von Diabetes bei Katzen. Sie entsteht vorwiegend aufgrund von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, welche gut behandelbar ist

Komplikationen

Wird Diabetes nicht behandelt und besteht bereits seit längerer Zeit, können für die Katze folgenschwere Komplikationen folgen.
Diabetische Neuropathie: Zu hohe Blutzuckerwerte schädigen die Nerven, da das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Die Katze wird schwach, sie kann nicht mehr springen und zieht die Hinterläufe hinter sich her, auch die Wundheilung verzögert sich, während das Schmerzempfinden intensiver wird.

Diabetische Nephropathie: ist ein Überbegriff für verschiedene krankhafte Veränderungen aufgrund unbehandelter Diabetes. Besonders trifft es die Nieren, in denen Gefäßveränderungen, Entzündungen und eine Erkrankung des Filterapparates möglich sind.

Diabetische Katarakt (grauer Star): kommt zwar bei Hunden häufig im Zuge von Diabetes-Erkrankungen vor, bei Katzen wird der graue Star nicht oft bis gar nicht beobachtet.

Diabetische Ketoazidose: wird vom Körper keinerlei Insulin mehr produziert, kommt der Energiehaushalt zum Erliegen. Noradrenalin (steuert interaktiv die Reaktionskette von Stresshormonen und Botenstoffen, um den Körper Belastungen entsprechend zu aktivieren und Körperfunktionen anzupassen), Adrenalin und weitere gegen das Insulin arbeitende Stoffe werden freigesetzt und bauen sukzessive alle Fettreserven ab. Gleichzeitig lösen Ketonkörper die Glucose ab, das Blut wird übersäuert. Wird diese Folgeerkrankung der Diabetes nicht behandelt, endet sie unbehandelt im Normalfall tödlich für das Tier.

Amyloidose: Katzen mit Diabetes leiden ebenfalls unter einer übermäßigen Anreicherung von Proteinen, die stark verändert sind und sich als Fasern absetzen. Im Grunde kann man diese krankhafte Ablagerung selbst nicht als Krankheit sehen, allerdings führt diese zu verschiedenen – oft chronischen – Krankheiten wie zum Beispiel einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis). Auch Tumore sind hierbei keine Seltenheit, diese können ebenfalls zu weiteren, die Gefäße belastenden oder zerstörenden Krankheiten führen.

Negative Einflüsse auf den Insulinhaushalt

Medikamente: Es gibt unterschiedliche Medikamente, welche den natürlichen Insulinhaushalt negativ beeinträchtigen können. Sollte der Haustiger Medikamente erhalten, sollte bei Verdacht auf Diabetes auch die Medikamentengabe bzw. die Produkte genau unter die Lupe genommen werden.
Übergewicht: Nimmt die Katze innerhalb kürzester Zeit bis zu 50 % Körpermasse zu, steigt das Risiko einer Diabetserkrankung, da die Insulinsensitivität um etwa denselben Prozentsatz sinkt. Die Insulinsensivität der Zellen sinkt rapide ab, der Bedarf an Insulin steigt hingegen kontinuierlich. Da dieser nicht gedeckt ist und der Blutzucker nicht abgebaut werden kann, entsteht Diabetes mellitus.
Hormone: Nicht nur das Geschlecht der Katze, auch hormonelle Schwankungen oder zugeführte Hormone können sich auf die Insulinsensitivität auswirken und eine Diabetes auslösen. Hormone werden gerne gegen Rolligkeit verabreicht, davon ist jedoch im Hinblick auf Diabetes dringend abzuraten.

Diagnose

Der Tierarzt muss das Blut des Patienten auf verschiedene Inhaltsstoffe untersuchen, um eine Diagnose stellen zu können. Bei Diabetes wird er die geeigneten Behandlungsmethoden erläutern.
Therapie
Um den Blutzuckerspiegel zu senken, muss dem Patienten Insulin gespritzt werden. Dies kann der Katzenhalter selbst machen, da es sich um zwei Spritzen am Tag, direkt unter die Haut gesetzt, handelt und man normalerweise nicht gerne beim Tierarzt einziehen möchte. Diese Gabe ist jedoch nur nutzbringend, wenn die Katze normal frisst. Tut sie dies nicht, kann es zu einer Unterzuckerung kommen, da zu viel Insulin im Organismus ist, welches seine Arbeit gut erledigt. Wird Diabetes bereits beim Ausbruch festgestellt, kann auch mit Tabletten gearbeitet werden, welche die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse anregen sollen. Allerdings kann die Katze auf die Nebenwirkungen ungünstig reagieren.
Wie beim Menschen auch ist eine Ernährungsumstellung bei einer Diabetesdiagnose unbedingt notwendig. Bei zu dicken Tieren ist eine Diät angesagt, um Gewicht zu reduzieren. Oft folgt darauf ebenfalls eine Reduzierung der Insulindosis. Wird Insulin gespritzt, so ist die Dosis abhängig von den zugeführten Futtermengen, schon deshalb ist ein strikter Ernährungsplan unumgänglich.

Prognose

Für eine Gesundung des Stubentigers gilt, wie bei allen Erkrankungen, dass eine frühe Behandlung die besten Chancen Heilung birgt. Eine Therapie ist vor allem für den Halter eine große Herausforderung. Wer sich dieser stellt, wird jedoch großzügig dafür entschädigt: mit einem glücklichen Haustier, das noch viele Jahre an seiner Seite ein wunderbares Leben führt

Gruß
Christiane

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